Artikel 19.6.2006, Die Presse

Klimts "Adele Bloch-Bauer I"

(diepresse.com) 19.06.2006

Eine Ikone der österreichischen Kunstgeschichte wurde zum teuersten Gemälde.



"Wenn es stimmt, dass jeder Porträtierte in seinem Abbild zu überleben
hofft, so geht dieses Kalkül bei Adele Bloch-Bauer besonders auf. Ihr
goldenes Bildnis, das Klimt von ihr malte, trägt mehr zu ihrem Nachruhm bei
als alles andere", schreibt Tobias G. Natter in seinem Buch "Die Welt von
Klimt, Schiele und Kokoschka".



Das Gemälde "Adele Bloch-Bauer I", das zu Jahresbeginn nach einem
Schiedsspruch gemeinsam mit vier weitern Klimt-Bildern aus der
Österreichischen Galerie Belvedere an die Erben rund um Maria Altmann
restituiert wurde, ist eine der Ikonen der österreichischen Kunstgeschichte
des 20. Jahrhunderts. Nun wurde es mit einem Kaufpreis von 135 Mio. Dollar
zum teuersten Gemälde.

"In der Liste der international meist reproduzierten Gemälde rangiert das
Bild schon längst an vorderster Stelle. Es schmückt tausenderlei Nippes und
Verpackungen, ziert Seidentücher und weniger Wertvolles", schreibt Natter.
Das 1907 gemalte Bildnis Adele Bloch-Bauer I, die "Dame in Gold", war das
zentrale Werk im Rechtsstreit der Republik gegen die Bloch-Bauer-Erben.

Zahlreiche Zeichnungen und Vorstudien belegen die Sorgfalt, mit der Klimt
jenes Porträt über Jahre hinweg vorbereitete. Bereits 1903 schrieb Adele in
einem Brief, man habe den Eltern zum Hochzeitstag ein gemeinsames Geschenk
machen wollen, "Mein Mann hat sich dann entschlossen, mich von Klimt
porträtieren zu lassen, der aber erst im Winter ans Werk schreiten kann. So
müssen halt meine Eltern Geduld haben."

Als "krank, leidend, immer mit Kopfweh, rauchend wie ein Schlot, furchtbar
zart, dunkel", beschrieb Maria Altmann, die Gewinnerin im
Klimt-Rechtsstreit, ihre Tante Adele (1881-1925) einmal: "Ein
durchgeistigtes Gesicht, schmal, elegant. 'Süffisant, arrogant', so hat sie
auf mich als Kind gewirkt. Stets auf der Suche nach geistiger Anregung."
Vermutungen über eine Affäre zwischen Adele Bloch-Bauer und Klimt gab es
übrigens immer wieder, belegen ließen sie sich nie.

Doch als einzige Dame der Gesellschaft wurde die 1881 geborene
Industriellen-Gattin zwei Mal von Klimt porträtiert: 1912 entstand das
"Bildnis Adele Bloch-Bauer II", das sie stehend mit Hut zeigt und einen
farblichen Hintergrund in Rot-, Rosa-, Violett- und Grüntönen aufweist.
(APA/Red.)
 


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E. Randol Schoenberg  
Dr. Stefan Gulner