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Gemälde kommt in Galerie Nach jahrelangem Rechtsstreit war das Bildnis der "Goldenen Adele" an Bloch-Bauer-Erbin Maria Altmann restituiert worden. Nun ist es in den USA
unter den Hammer gekommen und wurde als teuerstes Gemälde aller Zeiten verkauft: Altmann und ihre Erben lukrierten 135 Millionen Dollar (106,7 Mio. Euro). Das Bild wurde von Kosmetikunternehmer Ronald Lauder ersteigert und
wird in Hinkunft in einer Galerie zu sehen sein.
"Bilder sind, wo sie hingehören" Altmann erfreut über den Verkauf an Lauder.
Das im Jahr 1907 von Gustav Klimt gemalte Porträt "Adele Bloch-Bauer" ("Goldene Adele") hat mit 135 Millionen Dollar (106,7 Mio. Euro) den höchsten je für ein Gemälde gezahlten Preis erzielt.
Wie die "New York Times" ("NYT") in der Montag-Ausgabe berichtete, wurde das Bild vom Kosmetikunternehmer Ronald Lauder für die Neue Galerie in Manhattan
erstanden. Der Preis für das Bild übertreffe damit bei weitem den bisherigen Rekordpreis von 104,1 Millionen Dollar, für den im Jahr 2004 das Picasso-Bild "Junge mit Pfeife" bei Sotheby's versteigert wurde.
"Dort, wo das Bild hingehört" Die Neue Galerie ist ein kleines Museum, das ausschließlich deutsche und österreichische Kunst ausstellt. Bloch-Bauer-Erbin Maria Altmann hatte heuer
einen jahrelangen Rechtsstreit mit der Republik Österreich für sich entscheiden. Das Bild war NS-Raubkunst und wurde ihr schließlich restituiert.
Versuche, das Bild dennoch in Österreich zu halten, scheiterten. Nun zeigt sich Altmann gegenüber der "NYT" erfreut über den Zuschlag für Lauder. Er
habe ihr während des Rechtsstreits immer wieder seine Unterstützung angeboten. Zudem wisse Lauder viel über Österreich und liebe Klimt.
Altmann: "Wenn das Bild schließlich in der 'Neuen Galerie' hängen wird,
fühle ich, dass es endlich dort ist, wo es hingehört."
Lauder: "Das ist unsere 'Mona Lisa'" Das Bild von Klimt aus dem Jahr 1907 stellt Adele Bloch-Bauer, die Ehefrau
eines jüdischen Zucker-Industriellen aus Wien, dar. Es gilt als eines der Meisterwerke Klimts. Lauder sagte auf Anfrage des Blattes: "Das ist unsere 'Mona Lisa'."
Der neue "Adele"-Besitzer
Der Multimilliardär Ronald S. Lauder, Sohn der aus Ungarn stammenden Kosmetik-Königin Estee Lauder, war 1986 bis 1987 zu Beginn der Präsidentschaft von Kurt Waldheim Botschafter der USA in Österreich.
Er verteidigte damals die Entscheidung der Regierung in Washington, das österreichische Staatsoberhaupt auf die "Watch-List" zu setzen, womit ein bis heute gültiges Einreiseverbot verknüpft ist.
Lauder ist unter anderem Präsident des New Yorker Museum of Modern Art und Vizepräsident des Jüdischen Weltkongresses (WJC), dessen Raubkunstkommission
er leitete. Er stiftete auch eine Schule für jüdische Einwandererkinder beim Wiener Augarten.
Vier weitere Klimt-Bilder vor Versteigerung?
Altmann betonte gegenüber der "NYT", weder sie noch ihre Erben hätten einen Sinn darin gesehen, die "Goldene Adele" zu behalten. Über die Zukunft der
vier weiteren restituierten Klimt-Gemälde habe sie sich noch nicht entschieden: "Vielleicht versteigern wir sie bei Christie's. Ich hoffe sehr, dass sie in Museen unterkommen."
Späte Gerechtigkeit für Nazi-Opfer Altmann war nach ihrer Flucht vor den Nazis mittellos in Los Angeles angekommen. "Es hat mich riesig gefreut, dass ich nicht blöd dastehe, dass ich da nicht
einem Phantom nachgejagt bin." Mit diesen bescheidenen Worten hatte Maria Altmann ihren Sieg in einem der spektakulärsten Restitutionsfälle Österreichs kommentiert.
Nach jahrelangem Rechtstreit und dem Anfang 2006 erfolgten Spruch des Schiedsgerichts erhielten sie und vier weiterer Bloch-Bauer-Erben fünf Klimt-Bilder aus der Österreichischen Galerie Belvedere zurück. Insgesamt
sind die Bilder nach Ansicht der Erben 248 Mio. Euro wert. Am 18. Februar wurde die Nichte von Adele Bloch-Bauer 90 Jahre alt.
Sieben Jahre Rechtsstreit
Sieben Jahre hatte der Rechtstreit um die Bilder "Adele Bloch-Bauer I", "Adele Bloch-Bauer II", "Apfelbaum", "Buchenwald/Birkenwald" und "Häuser in
Unterach am Attersee" gedauert. "Ich habe gehofft, dass die Gerechtigkeit siegen wird. Aber gewusst habe ich es nicht", so Altmann.
Der positive Schiedsgerichtsspruch war trotz allem "nicht der glücklichste Tag meines Lebens. Als mein Mann mich gefragt hat, ob ich seine Frau werden
will, als mein ältester Sohn geboren wurde und wie man mir bei meinem dritten Kind gesagt hat: 'It's a girl' - das waren die herrlichsten Tage."
Die berühmte Tante Adele
Auf den beiden Porträts ist Altmanns Tante Adele Bloch-Bauer zu sehen, die 1925 starb - damals war Altmann neun Jahre alt. 1916 als fünftes und letztes
Kind des Rechtsanwalts Gustav Bloch-Bauer und dessen Frau Thedy in Wien geboren, war Maria als Kind jeden Sonntag mit ihren Geschwistern im Palais ihres Onkels Ferdinand und ihrer Tante Adele zu Gast.
Aus dieser Zeit stammen auch ihre Erinnerungen an Adele, die sie als kranke und leidende Frau beschreibt.
Adeles Diamantcollier Im Dezember 1937 heiratete Maria Fritz Altmann, den Bruder des
Strickwarenfabrikanten Bernhard Altmann. Als Hochzeitsgeschenk erhielt sie unter anderem Adeles Diamantcollier, wie der vergangene Woche verstorbene
Hubertus Czernin in seinem Buch "Die Fälschung" schrieb - später gelangte das Schmuckstück bezeichnenderweise in den Besitz von NS-"Reichsmarschall" Hermann Göring, der es seiner Frau schenkte.
Flucht vor Nazis Nach der Hochzeit im Dezember 1937 bezogen Maria und ihr Mann eine Wohnung in Wien-Neubau, die sie aber nicht lange gemeinsam bewohnen sollten. Im
April 1938 wurde Fritz nach Dachau deportiert, er kam im Juli im "Austausch" gegen das Unternehmen seines Bruders wieder frei. Im Oktober floh das Ehepaar Altmann nach England.
Das Paar saß schon im Flugzeug zur ersten Station ihrer Flucht in Deutschland, als "plötzlich die Motoren wieder aufgehört haben. Bis heute erinnere ich mich, weil es ein so grauenvoller Moment war und ich gedacht
habe: Jetzt holen sie meinen Mann. Dann hat der Pilot gesagt: 'Schlechtwetter in München, 20 Minuten Aufenthalt'." Ein Bauer bei Aachen half den Altmanns über die Grenze nach Holland.
Mittellos in LA angekommen
1942 kamen Fritz und Maria mittellos nach Los Angeles, wo sie seither lebt (seit 1945 als US-Staatsbürgerin). Im November 1945 starb schließlich
Ferdinand Bloch-Bauer, der Mann Adeles, und hinterließ sein Vermögen Maria sowie ihren Geschwistern Luise und Robert.
Letzterer war während des Kriegs nach Kanada gelangt, hatte den Namen
Bentley angenommen und betrieb gemeinsam mit dem Wiener Anwalt Gustav Rinesch federführend die Rückstellung des Vermögens Ferdinands an die Familie. Ergebnis: Im Gegenzug für die Bewilligung der Ausfuhr anderer
Gegenstände mussten die Klimt-Bilder 1948 in der Österreichischen Galerie bleiben.
Altmann betrieb Boutique 1998 stellten schließlich Altmann sowie die Vertreter der anderen Erben nach
Erlass des Restitutionsgesetzes Anträge auf Rückerstattung der Klimt-Bilder. In der Zwischenzeit betrieb die vierfache Mutter eine Boutique.
Erst im Alter von 85 Jahren hörte Altmann auf zu arbeiten, was nicht jeder
wusste: "An dem Tag, wo die Nachricht gekommen ist, dass wir gewonnen haben, ging das Telefon alle zwei Sekunden. Und eine Anruferin sagte: 'Sind Sie
noch im Geschäft? Ich brauche ein Kleid.' Die hat anscheinend keine Zeitung gelesen."
Vergleich mit Schweizer Banken Mit Hilfe ihres Anwalts E. Randol Schoenberg hatten die Bloch-Bauer-Erben
rund um Maria Altmann gemeinsam mit der Familie Pick 2005 bei einem Vergleich mit Schweizer Banken eine Entschädigung in Höhe von 26,45 Mio. Schweizer Franken (17,1 Mio. Euro) zugesprochen bekommen.
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