Artikel 19.5.2005, Die Presse

Historiker:
Jabloner: Entschädigungen rasch umsetzen

Die Ergebnisse der Historikerkommission liegen nun in Buchform vor.
Wien (no). 160 Wissenschaftler, 49 Bände, 17.000 Seiten, 23 Kilogramm,
zweieinhalb Laufmeter: Die schriftlichen Ergebnisse der Historikerkommission
zum Vermögensraub der Nationalsozialisten und der Entschädigungen durch die
Republik haben nicht nur quantitative Rekordausmaße, sondern wohl auch
qualitative. Die Berichte, die am Mittwoch zwei Jahre nach ihrer
eigentlichen Veröffentlichung in Buchform präsentiert wurden, stellen die
bisher intensivste akkordierte Aufarbeitung der NS-Zeit und ihrer Folgen
dar.

Eine Folge der ersten veröffentlichten Zwischenberichte waren nicht zuletzt
auch die Verhandlungen auf NS-Entschädigung. Während der Vertrag zur
Auszahlung einer finanziellen Geste an Zwangsarbeiter realisiert werden
konnte, ist das 2002 beschlossene Washingtoner Abkommen für Opfer von
NS-Raub bis heute nicht umgesetzt. Einerseits sind in den USA weiterhin
Klagen offen, die den vereinbarten Rechtsfrieden verhindern, andererseits
gestalten sich die Recherchen für die einzelnen Anträge auf
Entschädigungszahlungen äußerst zäh. Doch erst wenn diese alle erledigt
sind, starten die Zahlungen.

Kommissionspräsident Clemens Jabloner nutzte die Präsentation in Gegenwart
von Bundespräsident Heinz Fischer zu einem Appell zur raschen Umsetzung der
ausständigen Entschädigungslösung: "Erst dann wird man sagen können, dass
wir eine unmittelbare kausale Wirksamkeit erreicht haben, wenn die Leute ihr
Geld bekommen."

Veröffentlichungen der Österreichischen Historikerkommission, Oldenburg
Verlag, 27 Bände, € 2516,- Einzelbände sind beziehbar:
www.oldenbourg.at
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Ing. Leo Hoschka, Vienna

Last Release from: 04/02/07 02:09

Herausgeber / editor:
E. Randol Schoenberg  
Dr. Stefan Gulner