Artikel 19.5.2005, Der Standard

Der Sieg der Vernunft
Kommentar von Thomas Trenkler

Sieben Jahre ist es bereits her, dass Hubertus Czernin im STANDARD den
Fall Bloch-Bauer darlegte. Und sechs Jahre ist es her, dass sich Maria
Altmann, die Nichte des Industriellen Ferdinand Bloch-Bauer, zu fragen
hatte, ob Österreich tatsächlich gewillt ist, Wiedergutmachung zu leisten.
Denn eine Rückgabe von fünf zentralen Klimt-Gemälden, die Teil der
österreichischen Identität geworden sind, hatte Bildungsministerin Elisabeth
Gehrer abgelehnt: Sie riet der betagten Dame, die 1938 in die USA fliehen
musste, die Republik zu klagen.

Knapp sechs Jahre ist es her, dass E. Randol Schoenberg, Altmanns Anwalt,
ein Schiedsgericht vorschlug. Und fünfeinhalb Jahre ist es her, dass Czernin
eine zweibändige Recherche über den Fall Bloch-Bauer veröffentlichte. Im
Vorwort schrieb Altmann: "Ich bin nicht mehr die Jüngste, aber mein Alter
wird mich nicht daran hindern, für diese Gerechtigkeit zu kämpfen."

Seither kämpft sie um Gerechtigkeit. Die Finanzprokuratur, also die
Rechtvertretung der Republik, legte der rüstigen Dame, die im nächsten
Februar 90 Jahre alt wird, einen Stein nach dem anderen vor die Füße: In all
den Jahren wurden nur Nebensächlichkeiten erörtert. Zur entscheidenden Frage
aber drang man bisher nicht vor: Besteht Altmanns Anspruch zu Recht?

Die Finanzprokuratur muss, keine Frage, im Sinne der Republik handeln und
alle gesetzlichen Mittel ausschöpfen. Doch Teil der österreichischen
Identität ist auch die Mitschuld am Holocaust. Ein weiteres stures Beharren
hätte alle Bemühungen der letzten Jahre um Wiedergutmachung konterkariert
und zu einem Imageverlust Österreichs geführt. Die Finanzprokuratur sprang
nun über ihren Schatten, stimmte dem Schiedsgericht zu und kommt für die
Kosten auf. Sie handelte damit endlich im Sinne einer Republik, mit der man
sich identifizieren kann.


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Ing. Leo Hoschka, Vienna

Last Release from: 04/02/07 02:09

Herausgeber / editor:
E. Randol Schoenberg  
Dr. Stefan Gulner