Artikel 8.6.2004, Der Stern

Streit um Klimt-Bilder

© Picture-Alliance
Streit: Wo werden die Bilder von Gustav Klimt zumünftig ausgestellt?

Die Republik Österreich wird möglicherweise vor einem US-Gericht angeklagt,
sechs Bilder des Jugendstil-Malers Gustav Klimt unrechtmäßig im Wiener
Schloß Belvedere auszustellen. Die in Los Angeles lebende Nichte des
jüdischen Wiener Kunstsammlers Ferdinand Bloch-Bauer, Maria Altmann, fordert
seit mehreren Jahren die Kunstwerke zurück. Am Montag hat nun das
US-Höchstgericht in Washington erstmals entschieden, dass der Streit in den
USA verhandelt werden kann. Dies berichtete die österreichische
Nachrichtenagentur APA am Montagabend in Wien in Bezug auf ein Schreiben des
Anwalts der Klägerin, Randal Schoenberg.

Österreich sieht sich im Recht
Die Gemälde waren nach der Flucht von Ferdinand Bloch-Bauer vor den
Nationalsozialisten in den Besitz der Republik Österreich gefallen. Sie
ziehen als Hauptattraktion der Österreichischen Galerie im Belvedere
jährlich Hunderttausende Touristen an. Die österreichischen Behörden sind
davon überzeugt, rechtmäßiger Besitzer der Kunstwerke zu sein. Die für
Museen zuständige Ministerin Elisabeth Gehrer bezieht sich auf eine Passage
im Testament der Adele Bloch-Bauer aus dem Jahr 1923, in der sie ihren Mann
Ferdinand bittet, nach seinem Tod bestimmte Gemälde der Österreichischen
Galerie zu schenken. Der österreichische Rückgaberat hält dies für
rechtsverbindlich.
Der Anwalt der 88-jährigen Klägerin erkennt in diesem Wunsch allerdings
keine zwingende testamentarische Verfügung. Er verweist auf die spätere
Verfolgung Ferdinand Bloch-Bauers, seine Flucht und die Beschlagnahme seines
Besitzes durch die Nationalsozialisten. Die Österreichische Galerie behielt
die fraglichen Bilder nach dem zweiten Weltkrieg in ihrem Besitz.
Nach der Entscheidung des US-Höchstgerichtes vom Montag kann nun der
inhaltliche Prozess beginnen. Die beklagte Republik Österreich hatte
gefordert, die Klage aus völkerrechtlichen Gründen der Staaten- Immunität
abzuweisen.


designed by:
 
Ing. Leo Hoschka, Vienna

Last Release from: 04/02/07 02:10

Herausgeber / editor:
E. Randol Schoenberg  
Dr. Stefan Gulner