Artikel 9.5.2003, ORF

Klimt-Gemälde: "Jetzt haben wir einen Beweis"

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"Der Artikel in der heutigen 'F.A.Z.' überrascht mich nicht. Was die Zeitung schreibt, ist etwas, was wir schon lange vermutet haben, aber noch nie beweisen konnten. Jetzt haben wir einen harten Beweis", erklärte Gottfried Toman von der Finanzprokuratur am Freitag.

Erfreut zeigte sich Toman über die nun bekannt gewordenen neuen Dokumente im Rechtsstreit um sechs Klimt-Gemälde, die sich derzeit in der Österreichischen Galerie befinden.

Beweislage zu Gunsten Österreichs

Im Zusammenhang mit Recherchen zu dem früheren Staatsgalerie-Direktor Franz Haberditzl sei man in der Österreichischen Galerie unter anderem im Familienarchiv der Haberditzls auf eine Korrespondenz zwischen Adele Bloch-Bauer und Haberditzl gestoßen.

"Durch diese neu aufgefundenen Dokumente hat sich die Beweislage zu Gunsten der Republik Österreich wesentlich verbessert, zumal die bisherige Behauptung der Republik, dass Adele in ihrem Testament über ihr Eigentum disponiert hat, nunmehr bewiesen werden kann. Es ist weiters beweisbar, dass diese Gemälde schon 1919 an die Österreichische Galerie als Leihgabe gegangen sind", so Toman.

"F.A.Z."-Bericht

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("F.A.Z.") berichtet am Freitag von neuen Dokumentenfunden im Zusammenhang mit den Klimt-Gemälden aus dem früheren Besitz der Familie Bloch-Bauer, um die derzeit ein Rechtsstreit zwischen der Republik Österreich und der Bloch-Bauer-Erbin Maria Altmann anhängig ist.

Die Papiere "belegen, dass die Gemälde tatsächlich im Besitz von Adele Bloch-Bauer waren, die sie dem Museum testamentarisch vermacht hat" und stellten "die Auseinandersetzung in ein völlig neues Licht", heißt es. Autoren des Beitrages sind Stephan Koja, der Kustos der Sammlung des 19. Jahrhunderts der Österreichischen Galerie Belvedere, und der Historiker Andreas Kugler, Direktionsassistent am Österreichischen Theatermuseum.

Neue Dokumente bestätigt

In der Österreichischen Galerie bestätigt man gegenüber der APA das Auftauchen neuer Dokumente "im Zuge anderer Recherchen". Die "F.A.Z." zitiert u.a. die Empfangsbestätigung des damaligen Staatsgalerie-Direktors Franz Haberditzl vom 12.4.1919 über "zwei Porträts und vier Landschaften von Gustav Klimt aus dem Besitze von Frau Bloch-Bauer (...) mit der Berechtigung, diese Kunstwerke als Leihgabe auszustellen". In einem weiteren Brief aus 1919 zeige sich Adele Bloch-Bauer "als initiative Besitzerin ihrer Bilder", so der Artikel.

Nach dem Tod Adele Bloch-Bauers im Jänner 1925 habe Ferdinand Bloch-Bauer versprochen, die testamentarischen Bestimmungen (in denen sie u.a. ihren Mann bat, nach seinem Tode die Bilder der Republik Österreich bzw. der Österreichischen Galerie zu schenken) seiner Frau getreulich zu erfüllen.

Das Testament

"Im Oktober 1945, als Ferdinand im Züricher Exil ein Testament zugunsten seiner Nichten und Neffen verfasste, wusste er nachweislich, dass jene Klimts aus Adeles Besitz, deren Aufenthalt bekannt war, 'an die Österreichische Galerie laut Testament der Frau Bloch-Bauer übermittelt (worden waren): Klimt: Damenbildnis vor Goldgrund, Klimt: Apfelbaum' ", heißt es in dem "F.A.Z."-Artikel: "Wäre das nicht sein Wunsch gewesen, hätte der bis zuletzt souverän agierende Ferdinand sicherlich protestiert."

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Zitat aus neuem Buch

In dem kürzlich erschienenen Buch "Oskar Kokoschka. Kunst und Politik 1937-1950" von Gloria Sultano und Patrick Werkner wird allerdings aus einem Brief Ferdinand Bloch-Bauers zitiert:

"Mir hat man in Wien und Böhmen alles genommen. Nicht ein Andenken ist mir geblieben! Vielleicht bekomme ich die zwei Porträts meiner armen Frau (Klimt) und mein Porträt", schrieb er 1941 an Oskar Kokoschka.


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Dr. Stefan Gulner