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Festwochen-Ausstellung: Die traurige Realität "Quasi una fantasia" heißt die Festwochen-Ausstellung, die sich mit dem jüdischen Anteil am Wiener Musikleben vor 1939 auseinander setzt.
"Hollywood Composer" aus Wien: Erich W.Korngold | © Wiener Festwochen
Das Jüdische Museum in Wien arbeitet spät, aber doch, so zeigte Kulturstadtrat Mailath-Pokorny die Geschichte von der Vertreibung der Wiener Juden und dem Einfluss auf, den diese Vertreibung auf das Musikleben
der Stadt genommen hat. Gerade im Bereich der Musik, so der Stadtrat bei der Eröffnung der Festwochen-Ausstellung, sei die Verdrängung der Nazizeit nach dem Krieg besonders stark gewesen.
Tatsächlich war der Anteil der
jüdischen Musiker und der jüdischen Besucher im Wiener Musikleben der Zeit um und nach 1900 besonders hoch. So waren fast die Hälfte der Toten, die beim Ringtheater-Brand von 1881 zu beklagen waren, Juden.
Die von
Friedrich Kiesler architektonisch gestaltete Ausstellung widmet sich nun sämtlichen Facetten des Themas. 1867, damals erhielten Juden das volle Bürgerrecht im Habsburger-Reich, markiert den Beginn der kritischen Umschau, die
bis zu den Nachwirkungen im heutigen Kulturleben alle Aspekte erfassen möchte. Schon in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts war die Kultiviertheit des jüdischen Bürgertums maßgeblich an der Herausbildung des blühenden
kulturellen Lebens - und damit auch der Musikszene - der Donaumetropole beteiligt.
Es war kein Zufall, dass Gustav Mahler 1897 die Direktionsgeschäfte der Wiener Hofoper übernahm und dass gerade seine Ära heute noch zu
den prägenden Epochen des Hauses zählt. Mahler war - abgesehen von dem erst für spätere Generationen vorbildlichen ästhetischen Gehalt seiner Kompositionen - als Interpret ein Vorreiter der heute selbstverständlich scheinenden
Werktreue und führte diese mit unerbittlicher Strenge zum Sieg.
Wie er auf musiktheatralischem Sektor war es Arnold Schönberg, aufgewachsen auf der wegen des hohen Anteils an jüdischer Bevölkerung so genannten
"Mazzesinsel" zwischen Donau und Donaukanal, der die Entwicklung der kompositorischen Moderne von Wien aus entscheidend beeinflusste.
Guido Adler (1855-1941) wiederum ist Begründer der Wiener Musikwissenschaft
und musste im hohen Alter und nach großen Verdiensten um das Wiener Geistesleben 1939 seinen Ausschluss aus der Gesellschaft der Musikfreunde zur Kenntnis nehmen. Es scheint symptomatisch, dass die sogenannte
"Arisierung" seines Besitzes bis heute nicht endgültig aufgearbeitet ist. Nicht nur deshalb haben die Ausstellungs-Macher Adler zur Leitfigur ihrer Schau gemacht. Der Wissenschaftler führt quasi als Erzähler durch die
Räume, die zunächst dokumentieren, in welcher Form jüdische Bürger das Bild der Musikstadt Wien vor 1938 geprägt haben, die im Anschluss daran aber auch die Frage aufwirft, welchen Verlust Wiens Musikleben durch die Vertreibung
und Ermordung ihrer jüdischen Komponisten, Musiker, Mäzene und Musikliebhaber erlitten hat.
Wobei gerade die Frage nach den Komponisten keineswegs mit der Schönberg-Schule zu beantworten ist, sondern in vielen
Verzweigungen sämtliche Genres durchdringt. Nicht zuletzt ist auf dem Feld der sogenannten Unterhaltungsmusik eminenter jüdischer Einfluss zu verzeichnen. Es ist oft diskutiert worden, wie es überhaupt möglich war, dass im
Gefolge der nationalsozialistischen Machtübernahme die populären, längst schon Volksliedcharakter atmenden Melodien aus der Feder von Emmerich Kálmán, Leo Fall oder Oscar Straus über Nacht nicht mehr gesungen und gespielt
werden sollten - und wie hoch die Dunkelziffer der diesbezüglichen "Verstöße" gegen das NS-Gesetz gewesen sein mag.
Am besten dokumentiert war vor dieser Ausstellung wohl das Schicksal der jüdischen
Interpreten, die der Ächtung anheim gefallen waren, vor allem von Stars wie Fritzi Massary, Joseph Schmidt oder Richard Tauber. Viel weniger bekannt sind die Lebensläufe von Meistern der sogenannten "ernsten"
Musikschiene wie Karl Weigl, Ernst Toch oder Max Brand. Sie sind in der Schau ebenso vertreten wie die später zumindest zu Berühmtheit, wenn auch nicht mehr zur alten Popularität aufgestiegenen Künstlern wie Erich Wolfgang
Korngold.
Beklemmend bleibt zuletzt - nach der Konfrontation mit den Namen unzähligen Opfer - sogar die Frage, warum ein Leonard Bernstein anlässlich eines Interviews einen österreichischen Trachtenanzug trug . . . sin
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