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"Es ist Verleugnung" Interview. Warum Anwalt Schoenberg, der Österreich in den USA auf profil: Sie bezichtigen Österreichs Bildungsministerin Elisabeth Gehrer in Ihrer US-Klage, sie habe sich mit dem Nein zur Rückgabe der Klimt-Bilder Holocaust-Leugnern und Revisionisten angeschlossen. Wie kommen Sie dazu? Schoenberg:
Frau Gehrer hat wiederholt gesagt, die Klimts seien Ferdinand Bloch-Bauer in der Nazi-Zeit nicht gestohlen worden. Das ist so unglaublich, dass ich es nicht anders beschreiben kann. Nehmen Sie Ferdinand Bloch-Bauers Testament aus 1942, wo er beschreibt, wie sein Vermögen gestohlen wurde. Will Frau Gehrer ihn als Lügner bezeichnen? Das ist es, was ich meine. Wer behauptet, dass die Werke während des NS-Regimes nicht geraubt wurden, weiß nicht, was damals passiert ist, oder versteht es nicht. Ob Sie das "Holocaust-Leugnung" nennen oder nicht, es ist die Verleugnung des
profil: Sie nehmen diesen Vorwurf also nicht zurück? Schoenberg: Nein. Ich bin da, um Bloch-Bauer-Erbin Maria Altmann zu vertreten. Die fünf Klimts gehörten Ferdinand Bloch-Bauer, wenn Ministerin Gehrer das bestreitet, geht sie mit den Nazis ins Bett. profil: Der Rückgabebeirat und Gehrer stützen sich auf ein Gutachten der Finanzprokuratur. Demnach gehörten die Bilder Österreich schon vor der NS-Zeit, weil Adele Bloch-Bauer ihren Mann 1923 per Testament gebeten hatte, sie der Österreichischen Galerie zu geben. Schoenberg: Selbst wenn ich dem folge - Adele wünschte die Übergabe erst "nach Ferdinands Tod". Er war im Exil, als der NS-Anwalt Erich Führer die beschlagnahmten Bilder weitergab. profil: Der Wiener Rechtsexperte Rudolf Welser zieht die Expertise der Finanzprokuratur stark in Zweifel. Welser betont gegenüber profil, dass Adele über die Bilder nicht bestimmen konnte, wenn Verlassenschaftsverfahren, Eigentum ihres Mannes waren. Schoenberg: Ich werfe Österreich ja auch vor, dass weder unabhängige Experten noch wir angehört wurden; die Finanzprokuratur vertritt die Republik. profil: Bildungsministerin Gehrer sagt, sie müsse nach dem Gesetz vorgehen und könne Bundesvermögen nicht wegen moralischer Bedenken weggeben. Schoenberg: Frau Gehrer hat das Kunstrückgabegesetz gemacht und kennt dessen Ziele. Mit der Ablehnung, die Klimts zurückzugeben, hat sie ihr eigenes Gesetz gebrochen. Natürlich hat alles - wie man ein Gesetz macht und wie man es anwendet - mit Moral zu tun. Nur ein amoralischer Mensch konnte zu einer Entscheidung wie im Bloch-Bauer-Fall kommen. profil: Wie beurteilen Sie die Prozess-Chancen in den USA? Schoenberg: Exzellent. Es ist alles auf unserer Seite: Fakten, Gesetz und Moral. In Amerika gibt es die Tendenz nicht, die in Österreich in allen diesen Fällen herrscht - dass Fakten wider besseres Wissen geleugnet werden und dass man bei jedem Gespräch nachweisen muss, dass es Hitler gegeben hat. profil: Sie waren bisher an Sammelklagen von Holocaust-Opfern nicht beteiligt. Schoenberg: Ich habe das Mandat von 25 Familien für eine neue Sammelklage gegen Österreich, unabhängig von der, die Ed Fagan und Mel Weiss eingebracht haben. Kommt es beim nächsten Treffen von US-Verhandler Stuart Eizenstat und Österreichs Botschafter Ernst Sucharipa zu keiner Einigung über Restitution, werde ich klagen. profil: Will Maria Altmann die Klimts tatsächlich zurück? Schoenberg: Sie will Gerechtigkeit. Sie weiß, wie wichtig Österreich die Bilder sind, wir sind zu einem Vergleich bereit. Experten schätzen ihren Wert auf 150 Millionen Dollar (umgerechnet rund zwei Milliarden Schilling). Wenn Österreich fair ist, ist das die Summe, die es anbietet. profil: Kennen Sie die Klimts? Schoenberg: Ich war elf, als meine Mutter mir zum ersten Mal die Porträts von Adele gezeigt hat, in einem nächsten Raum hing ein Bild der Schönberg-Familie. ZUR PERSON Randol Schoenberg, 34, ist ein Enkel des berühmten Komponisten Arnold Schönberg. Er ist Anwalt in Los Angeles und hat Österreich dort jetzt auf Rückgabe fünf berühmter Klimt-Gemälde wie "Adele I", "Adele II" und "Häuser in Unterach am Attersee, 1916" aus dem Besitz des vertriebenen Industriellen Ferdinand Bloch-Bauer geklagt. Der Anspruch der in den USA lebenden Erben, unter ihnen die 84-jährige Maria Altmann, wurde von Österreich abgewiesen. Schoenbergs bisher größte Causa war die Verteidigung des Ölmultis Mobil gegen eine Sammelklage. Er setzte sich maßgeblich dafür ein, dass der Schönberg-Nachlass nach Wien kam. Bildtext: Bild: Klimt-Porträts Adele Bloch-Bauer I und II: "Gehrer hat ihreigenes Gesetz gebrochen" |
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