Artikel 25.8.2000 
Wirtschaftsblatt

Gerichtsverfahren war absehbar

Klimt-Bilder: Ministerin Gehrer provozierte Klage

Wien/Los Angeles. Gerbert Frodl, Direktor der Österreichischen Galerie Belvedere, ist nicht überrascht, dass der Rechtsstreit um fünf Klimt-Gemälde nun vor einem Gericht in Kalifornien ausgetragen wird. Frodl: "Wir haben mit der Klage seit längerem gerechnet.³ Wie das WirtschaftsBlatt gestern exklusiv berichtete, hat Maria Altmann, Erbin des Vermögens von Ferdinand Bloch-Bauer, dem die weltberühmten Klimt-Porträts von Adele Bloch-Bauer gehörten, die Republik Österreich und die Österreichische Galerie auf Rückgabe der Bilder geklagt.

Arisierte Kunstwerke

Die Bilder waren 1938 "arisiert³ worden. Nach 1945 wurden sie mit dem Argument einbehalten, dass Adele Bloch-Bauer in ihrem 1923 verfassten Testament ihren Mann gebeten hat, die Bilder nach seinem Tod der Österreichischen Galerie zu hinterlassen. Altmann bestreitet die Schenkung. "Ich habe die Klage im Bewusstsein eingebracht, dass es für alle Seiten am besten wäre, eine neutrale Person als Vermittler in der verfahrenen Situation zu engagieren³, sagt Altmanns Anwalt E. Randol Schoenberg. "Meine Klientin hatte nicht einmal das Recht, vom Restitutionsbeirat im vergangenen Jahr gehört zu werden. Österreich hat uns keine Alternative zur Klage gegeben. Auch Frodl meint, die Sache sei "unglücklich gelaufen³. "Man hätte vielleicht mehr reden sollen.³ Regierungsvertreter hätten aber eine gerichtliche Entscheidung herbeiführen wollen. Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer hat in einem Schreiben an Schoenberg vom 12. Juli 1999 empfohlen, "ihr Recht vor ordentlichen Gerichten zu suchen³. In einem Brief vom 31. März 2000 an Schoenbergs Wiener Anwaltskollegen Stefan Gulner machte Gehrer einen Rückzieher, sie habe "keineswegs zur Erhebung einer gerichtlichen Klage eingeladen bzw. aufgefordert³.

Von Margarete Endl
margarete.endl@wirtschaftsblatt.at


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