Artikel 21.9.2000 
Bunte

Der Kampf einer alten Dame

Von Christiane Hoffmans und Holger Hoetzel

Maria Altmann, Nichte des berühmten jüdischen Sammlerpaares Bloch-Bauer, verklagt Österreich auf Herausgabe von sechs Klimt-Gemälden. Ein böser Fall

Es ist der heftigste Kunststreit unserer Tage und die Spätfolge einer großsen Liebe zu Beginn des 20. Jahrhunderts: zwischen Adele, der 17 Jahre jüngeren Frau des jüdischen Zuckerfabrikanten Ferdinand Bloch-Bauer, und dem legendären Wiener Künstler Gustav Klimt.

Worum geht es?

Um sechs Klimt-Bilder, die der Familie Bloch-Bauer gehörten, angeblich von den Nazis geraubt wurden, jetzt im Besitz der Republik Österreich sind und von einer Überlenbenden der Familie, Maria Altmann, 84, zurückgefordert werden.
 

Ihr Wert: ca. 330 Mio. Mark.

Dabei begann alles so romantisch: Klimt malte seine schöne, intellektuelle Geliebte in besonders sinnlichen Bildern ­ es sind Perlen der Malkunst. Diese Porträts und andere Klimt-Bilder schmückten einst Adeles Wohnung. Heute hängen die sechs Bilder in der Österreichischen Staatsgalerie Belvedere in Wien.

Der Rechstreit, den die alte Dame jetzt gegen die Republik Österreich angestrengt hat, ist derart kompliziert, dass er nur in zehn Kapiteln dargestellt werden kann.

1. Als Adele Bloch-Bauer 1925 mit 45 Jahren stirbt, erbt ihr Mann die Bilder. In ihrem Testament bittet sie ihn, die Bilder nach seinem Tod der österreichischen Staatsgalerie Belvedere zu schenken.

2. Als Ferdinand Bloch-Bauer 1945 in Zürich stirbt, werden die Bilder in seinem Testament überhaupt nicht erwähnt. Der letzte Wunsch seiner Frau scheint nicht erfüllt. Was verständlich ist, denn ferdinand Bloch-Bauer war 1938 den nazis gerade noch entkommen. Die Bilder und den Rest seiner umfangreichen Kunstsammlung hatte er zurücklassen müssen.

"Alles wurde ihm 1938 geraubt," so der amerikanische Anwalt Randol Schoenberg, 34, ein Enkel des Komponisten Arnold Schoenberg. Ihn hat Maria Altmann, die in Los Angeles lebt, mit der Vertretung ihrer Interessen beauftragt.

3. Nach Ferdinand Bloch-Bauers Tod fordeten deine Erben die Kunstsammlung 1948 zurück. Und scheiterten. "Weil sie von den Verantwortlichen in Österreich belogen wurden," sagt Anwalt Schoenberg. "Die argumentierten, dass Adele Bloch-Bauer ihre Bilder dem Staat vermacht hatte ­ und dass ihr Mann die Bilder nur zu seinen Lebzeiten behalten durfte."

4. Als die Erben das Testament von Adele Bloch-Bauer sehen wollten (es lag in einem Wiener Archiv), wurde ihnen dies verweigert.

5. Als die Erben wenigstens einen Teil der Sammlung in die USA holen wollten, gestattete ihnen Österreich dies nur, nachdem sie formell auf die Klimt-Bilder verzichtet hatten.

6. 1998 wendetet sich das Blatt: "Zum ersten Mal durften wir das Testament einsehen," so Maria Altmann zu BUNTE. "Da stellten wir fest, dass die Bilder eindeutig meinem Onkel gehörten. Denn seine Frau Adele äußerte in ihrem testament lediglich die ŒBitte,¹ ihr Mann möge die Bildern der Galerie vererben."

7. Auch politisch glaubt sich Frau Altmann im Recht: 1998 verabschiedete Österreich ein Restitutionsgesetz. Sein Sinn: "Damit wollten wir ­ vorbildlich und ohne mit der Wimper zu zucken ­ zurückgeben, was währen des Naziregimes geraubt wurde," so Kulturminiterin Elisabeth Gehrer zu BUNTE.

8. Maria Altmann war hoch erfreut: "Damit konnte ja keine Rede davon sein, dass die Bilder Österreich geören, sondern meiner Familie." Sofort entschied sie sich, die Bilder zurückzufordern. "Ich hatte größte Hoffnung, denn die Ministerin Gehrer hatte ja das Restitutuionsgesetz gemacht."

9. Doch Fehlanzeige. Gegenüber BUNTE begründetete die Ministerin das so: "Zum einen sind die Kunstwerke nicht während des Krieges geraubt worden, und des weiteren hat adele Bloch-Bauer ja 1923 testamentarisch verfügt, die Gemälde der Österreichischen Galerie zu vererben."

Anwalt Randol Schoenbeg "Das ist natürlich lächerlich. Slebstverständlich wurden die Bilder während des Krieges gestohlen und natürlich weiß die Ministerin das. Ich glaube, dass sie mit Absicht lügt."

10. Die Argumente des Anwalts und seiner hoch betagten Mandantin zählen für Elisabeth Gehrer nicht: "Da können ja viele kommen, die die Testamente ihrer Vorfahren rückgängig machen wollen."

Was nun?

Anwalt Schoenberg hat Klage beim federal Court in Los Angeles eingereicht. Dieses Gericht muss die Klageschrift dem US-Außenministerium zustellen und die müssen sie ans Außenministerium in Wien schicken, von da geht sie ins Kulturministerium. Ein langwieriger biplomatischer Weg. Deshalb ist ein Ende des Rechtssteits noch lange nicht in Sicht.

Maria Altmann ist dennoch voller Zuversicht, dass sie die Bildern von Klimt bald besitzen wird. Mit 84 jahren läuft ihr allerdings die Zeit davon. Aber darauf spekuliert Österreich doch hoffentlich nicht . . .


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Ing. Leo Hoschka, Vienna

Last Release from: 04/02/07 02:10

Herausgeber / editor:
E. Randol Schoenberg  
Dr. Stefan Gulner