|
Ein Schiele in der Leopold-Stiftung ist zwangsversteigertes jüdisches Eigentum
Ein kostbares Ölbild von Schiele, das Rudolf Leopold in den fünfziger Jahren kaufte, gehörte bis zur Zwangsversteigerung 1941 jüdischen Verfolgten. VON HANS HAIDER
Ein bedeutendes Schiele-Gemälde, das heute Eigentum der Leopold-Stiftung ist, wurde vom Sammler wahrscheinlich 1952/53 in gutem Glauben erworben; doch war es schon 1941 bei einer Zwangsversteigerung im Wiener Dorotheum
verschleudert worden - zum Schaden seiner jüdischen Besitzer. Die Israelitische Kultusgemeinde nahm sich der Interessen der ehemaligen Eigentümerfamilie an und wandte sich an den Vorstand der Leopold-Stiftung mit der
Aufforderung, das wahre Eigentum anzuerkennen.
Kultusgemeinde wie Leopold wollen den Titel des Bildes derzeit nicht publizieren. Die kaufmännische Geschäftsführerin der Leopold-Stiftung, Helga Zechtl, lehnt jede Auskunft über die Angelegenheit ab.
In der Leopold-Stiftung wurde schon vor längerem im Vorstand der Beschluß gefaßt, analog zu den Bundesmuseen die Provenienz der Bilder zu erforschen und die Bestimmungen analog zum für die Bundesmuseen beschlossenen
Rückgabegesetz zu behandeln. In der Leopold-Stiftung sitzen vier Vertreter des Bundes gleich vielen privaten Vertretern (darunter Rudolf und Elisabeth Leopold) gegenüber.
"Ich erwarte, daß die Leopold-Stiftung nach dem selben strengen Maß vorgeht wie die Bundesmuseen", sagte darum Bildungsministerin Elisabeth Gehrer am Dienstag auf Anfrage der "Presse". "Ich werde
vorschlagen, daß man die Unterlagen über das jetzt strittige Schiele-Bild der in meinem Ministerium für den Bundesbesitz zuständigen Provenienzkommission vorlegt." Die damalige Privatsammlung Rudolf Leopolds wurde 1994 mit
öffentlichem Geld (2,2 Milliarden Schilling) in eine Privatstiftung umgewandelt. Schon im Stiftungsvertrag wurden Vorkehrungen getroffen, daß für den Fall, daß Leopold der Republik Bilder verkauft hätte, deren Erwerb aus
welchen Gründen rückgängig gemacht werden muß, auch von der ihm ausgezahlten Summe ein Teil der Republik Österreich zurückerstattet werden muß. Rudolf Leopold zur "Presse": "Ich habe erst nach dem Kauf erfahren,
daß der Vater des Vorbesitzers das Gemälde 1941 im Dorotheum ersteigert hat. Es ist 1952/53 neben mir auch dem Bundeskanzler Figl sowie dem Niederösterreichischen Landesmuseum angeboten worden."
Elisabeth Leopold zur "Presse": "Wir sind der Geschichte von 16 Bildern aus vordem jüdischen Besitz nachgegangen. Ich bin dabei der Kultusgemeinde einen Brief zu schreiben, in dem wir erklären, daß dieser Anspruch
allem Anschein nach zu Recht besteht. Wir wollen mit der Erbin eine gütliche Lösung - ein Vergleich könnte das Bild Österreich erhalten."
Der Stiftungsvorstand ist derzeit ohne Vorsitzenden, nachdem der letzte resigniert hat. Heute, Mittwoch, könnte im Vorstand bereits ein Nachfolger gewählt werden.
Bloch-Bauer-Klage in USA
Ansprüche einer österreichischen Vertriebenen-Familie, die fünf Klimt-Gemälde, die Adele Bloch-Bauer in den zwanziger Jahren der Österreichischen Galerie vererbte, von der Republik
verlangt, werden bei einem amerikanischen Gericht angemeldet. In Österreich wurde ein Verfahren begonnen, nachdem die amtliche Rückstellungskommission die Rückgabe abgelehnt hatte; doch der Streitwert von zwei Milliarden
Schilling erforderte so empfindliche Gerichtskosten, daß nun der Anwalt Randol Schoenberg ankündigte, die Klage in Wien fallenzulassen und in den USA zu beginnen. Anträgen der Klägerseite auf Reduktion der Kosten bzw.
Verfahrenshilfe durch den Staat wurde nicht im erwarteten Ausmaß stattgegeben.
|