Artikel 13.9.2000 
Rhein-Neckar-Zeitung

Große Klimt-Ausstellung in Wien - Rechtsstreit um Bilder

Wien (dpa) - Überschattet von einem Rechtsstreit um mehrere Bilder wird am 20. September in Wien die spektakuläre Kunstausstellung «Klimt und die Frauen» eröffnet. Es handelt sich um die bislang umfangreichste Schau von Frauenporträts Klimts (1862-1918), des Hauptvertreters des Wiener Jugendstils und eines Vorläufers des Phantastischen Realismus. Über 100 Porträts des Wiener Meisters werden Frauenbildnissen anderer Maler von Manet bis Munch gegenüber gestellt. Die Österreichische Galerie im Schloss Belvedere erwartet bis zu 300 000 Besucher. Die Schau mit Leihgaben aus aller Welt ist bis 7. Januar zu sehen.

Im Vorfeld der Ausstellung hat der amerikanische Staranwalt Randal Schönberg in Los Angeles eine Klage gegen die Republik Österreich eingereicht. Seine Mandantin Maria Altmann fordert insgesamt sechs Bilder Klimts von der Galerie zurück, darunter die beiden weltberühmten Porträts, genannt die «Goldene» und die »Rote Adele», zwei zentrale Stücke in der Herbstausstellung. Nach Ansicht der Klägerin sind die sechs Gemälde als «Nazi-Raubgut» in den Besitz der Galerie gelangt. Maria Altmann ist die Nichte von Adele Bloch-Bauer, der einst die Bilder gehörten. Der Staat Österreich beharrt darauf, rechtmäßiger Besitzer der Werke zu sein.

Die österreichische Galerie verweist auf einen umstrittenen Passus in Bloch-Bauers Testament von 1923, wonach ihr Mann Ferdinand die Bilder der österreichischen Galerie schenken sollte. Da die 1929 gestorbene Adele die Verfolgung ihrer Familie durch die Nazis nicht habe vorausahnen können, hält der Anwalt heute diese Verfügung für ungültig. Er sieht das spätere Testament Ferdinand Bloch-Bauers als bindend an, nach dem die Kunstsammlung in Familienbesitz bleiben sollte.

Mit der Schau rückt die Österreichische Galerie einen zentralen Werkblock Klimts in den Vordergrund. Der Mitbegründer der Wiener Secession porträtierte vor allem Frauen des gehobenen Wiener Bürgertums. Seine sinnlich-erotischen Darstellungen brachten ihm heftige Kritik ebenso wie große Bewunderung ein. Rasch wurde Klimt zum teuersten Porträtisten seiner
Zeit. Heute sind die Frauenbilder und die allegorischen Darstellungen Hauptattraktion der staatlichen Sammlung im Belvedere.

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