Artikel vom 16.3.1999 
- Teil 8

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"Der Fall Bloch-Bauer", Teil 8

Adeles Wunsch bewußt nicht erfüllt

Der kommissarische Verwalter des Bloch-Bauer-Vermögens, NS-Anwalt Erich Führer, nahm mit dem Leiter der Staatsgalerie, Bruno Grimschitz, Geschäftsbeziehungen auf und bot ihm im September 1940 die Klimt-Gemälde Adele Bloch-Bauer I und Der Apfelbaum I an.

Die Sache zog sich, aber ein Jahr später beehrte sich der Anwalt dem Museumsleiter mitzuteilen, "daß ich in Vollzug der szt. letztwilligen Verfügung der Frau Adele Bloch-Bauer die bisher in der Wohnung des Herrn Ferdinand Bloch-Bauer aufbewahrten Bilder und zwar Klimt, Damenbildnis, und Klimt, Obstgarten, den testamentarischen Bestimmungen zufolge der Modernen Galerie zur Verfügung stelle.

Dem gegenüber haben Sie sich bereiterklärt, das bei Ihnen befindliche Bild von Klimt, Sommerlandschaft darstellend, mir ausfolgen zu lassen."

Damit hatte Grimschitz gegen das Testament Adele Bloch-Bauers verstoßen. Sicher kein Zufall, denn: Welche Bedeutung hatte schon der Letzte Wille einer Jüdin für Nationalsozialisten? Weshalb sollte man sich an die Bestimmung halten, daß die Klimt-Gemälde erst nach Ferdinands Tod im Falle von dessen vorangegangener Zustimmung an die Staatsgalerie übereignet werden sollten? Der Industrielle hatte ohnehin keinen Zugriff mehr auf sein Vermögen. So kaufte Grimschitz 1943 den nächsten Klimt an: Adele Bloch-Bauer II um 7500 Reichsmark. Adeles Testament, auf das man sich später so oft berufen würde, spielte keine Rolle mehr.

Am 16. Juli 1945, zwei Monate nach der Kapitulation des Dritten Reichs, feierte Ferdinand Bloch-Bauer seinen 81. Geburtstag. Sechs Jahre lebte er nun schon im Züricher Exil. Heimkehren nach Wien wollte er offenbar nicht mehr.

Was die Kunstsammlung betrifft, wurde sein Anwalt Gustav Rinesch noch Ende September 1945 aktiv. Er schrieb an den nach wie vor im Amt befindlichen Leiter der Österreichischen Galerie, den Nationalsozialisten Grimschitz:

"Ohne den Absichten meines Mandanten im einzelnen vorgreifen zu wollen, bin ich beauftragt, zunächst Nachforschungen über den Verbleib der
einzelnen Stücke der Sammlung anzustellen, um diese nach Möglichkeit sicherzustellen. Ich wäre Ihnen daher dankbar, wenn Sie mir zunächst mitteilen könnten, welche Objekte sich in den Wiener staatlichen oder städtischen Galerien befinden und welche vermutlich nach Deutschland ausgeführt worden sind."

Einen Monat später, am 22. Oktober 1945, setzte Bloch-Bauer seinen Letzten Willen auf: Er vermachte sein Vermögen seinen Nichten Louise und Maria sowie seinem Neffen Robert. Spezielle Verfügungen etwa in Richtung der Österreichischen Galerie machte er keine. Da er überdies alle früheren Testamente für ungültig erklärte, war, was die Klimt-Gemälde betrifft, die Situation eindeutig. Bloch-Bauer fühlte sich nicht länger an den Wunsch seiner 1925 verstorbenen Frau gebunden. Der Raubzug der Nationalsozialisten war also nicht ohne Folgen geblieben. Solange keine Dokumente auftauchen, die anderes behaupten, bleibt nur die Interpretation, daß der alte Herr den Wunsch seiner Frau bewußt nicht erfüllen wollte. Bereits in einem im Oktober 1942 verfaßten Testament hatte er festgehalten: "In ungerechter Weise hat man mir in Wien eine Steuerstrafe von einer Million Mark vorgeschrieben und meinen gesamten Besitz in Wien beschlagnahmt und veräußert."

Schon damals war von einer Schenkung an die Österreichische Galerie keine
Rede mehr. Ferdinand Bloch-Bauer starb am 13. November 1945. Seine Erben sahen sich gezwungen, aus Vancouver und Los Angeles den Kampf um die Rückstellung der Kunstsammlung aufzunehmen.

Recherche: Gabriele Anderl/ Ruth Pleyer/Hubertus Czernin

Lesen Sie morgen den 9. Teil: Machenschaften der Museen


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Last Release from: 04/02/07 02:10

Herausgeber / editor:
E. Randol Schoenberg  
Dr. Stefan Gulner