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Zurück zur Suche Teil 7 der Standard-Serie "Der Fall Bloch-Bauer": Der Raub "Zur Gänze liquidiert" Standard-Autor Hubertus Czernin über Ferdinand und Adele Bloch-Bauer, deren Nichte Maria Altmann Anspruch auf jene fünf Hauptwerke Gustav Klimts erhebt, die sich in der Österreichischen Galerie befinden. Am 27. April 1938 wurde gegen "Ferdinand Bloch-Bauer, Großindustrieller", wie es hieß, ein Strafverfahren wegen "Hinterziehung, Verheimlichung, Gefährdung der Körperschafts-, Einkommen-, Vermögens-, Krisen-, Sicherheits-Steuer" eingeleitet. Etwas mehr als zwei Wochen später, am 14. Mai 1938, wurde von der Strafabteilung der Steueradministration für den IV., V. und X. Bezirk in Wien über Bloch-Bauer eine Geldstrafe "im voraussichtlichen Betrage von 700.000 RM verhängt". Dem nach Prag vertriebenen Industriellen wurde aufgetragen, diesen Strafbetrag sicherzustellen. 700.000 Reichsmark - heute rund 70 Millionen Schilling - waren selbst für Bloch-Bauer viel Geld. Das Vorgehen entsprach dem Befehl Hermann Görings vom 28. März 1938, "in aller Ruhe Maßnahmen zur sachgemäßen Umleitung der jüdischen Wirtschaft zu treffen". Dafür wurden oft nicht Sondergesetze verwendet, sondern Normalrecht eingesetzt. Selbst die Reichsfluchtsteuer war ursprünglich keine zur Diskriminierung von Juden erdachte Maßnahme. Sie war 1931 in Deutschland Gesetz geworden, um die durch die Weltwirtschaftskrise ausgelöste Kapitalflucht zu verhindern. Bloch-Bauer verlor innerhalb weniger Monate praktisch alles, was in Österreich sein Eigentum gewesen war: Die Industriebeteiligungen wurden über die Kontrollbank "arisiert". Das Palais diente zur Sicherstellung der verhängten Strafe und wurde mit Kaufvertrag vom 26./27. November 1940 um 250.000 Reichsmark an das Deutsche Reichseisenbahnvermögen verkauft. Der Erlös ging direkt an die Finanzbehörden. Ebenso wurde die Kunstsammlung beschlagnahmt. Die Machthaber hatten sofort ein Auge auf diese geworfen, entsprachen doch viele Gemälde im Palais dem Geschmack der NS-Größen. Am 28. Jänner 1939 wurde die Sammlung besichtigt: Anwesend waren Leopold Ruprecht vom Kunsthistorischen Museum, Richard Ernst vom Kunstgewerbemuseum, der mehr als ein Jahrzehnt davor noch die Alt-Wiener Porzellansammlung katalogisiert hatte, ein Dr. Peinsipp von der Alpenländischen Treuhandgesellschaft, ein Herr der Geheimen Staatspolizei, wie es in einem Aktenvermerk heißt, und namens des Instituts für Denkmalpflege Josef Zykan sowie als kommissarischer Verwalter des Bloch-Bauer-Vermögens der Wiener Anwalt Erich Führer. Die Herren diskutierten über die Kunstwerke und formulierten ihre Wünsche, um schließlich die Sammlung in drei "wichtige Gruppen" aufzuteilen, wie Zykan schrieb: "1. Sammlung Sorgenthal-Porzellan (veröffentlicht von Dir. Ernst); 2. eine größere Anzahl Waldmüller und andere Altwiener Meister; 3. Eine Reihe von Bildern von G. Klimt." Wenn Zykan damals nicht etwas übersah, fehlte an diesem Tag ein Gemälde Klimts: Häuser in Unterach am Attersee. Zwei Gemälde von Ferdinand Georg Waldmüller befanden sich gerade zur Ansicht in der Staatsgemäldesammlung München. Sechs Wochen später besetzte die Deutsche Wehrmacht die Tschechoslowakei. Bloch-Bauer hatte gerade noch rechtzeitig flüchten können. Sein Schloß bei Prag wurde von Reinhard Heydrich (Reichssicherheitshauptamt) in Besitz genommen. Im Mai 1939 begann dann der Abverkauf an die Nazigrößen: 19. Mai 1939: Rudolf von Alt, Landschaft am See Waldidyll, an die Kanzlei Hitlers; 6. Juni 1940: Waldmüller, Bildnis des Fürsten Esterházy an die Kanzlei Hitlers; 12. Dezember 1940: Waldmüller, Alte Frau mit Kindern, Kleines Mädchen mit Hund, Kinder mit Trauben und Alte Frau vor Hütte an August von Fink zu Geschenkzwecken an Hermann Göring; 10. März 1941: Holbeinschule, Porträt eines jungen Mannes an Generaldirektor Dr. Posse (Gemäldegalerie Dresden) und so weiter. Ende Juni 1941 erfolgte der nächste Schritt: Im Wiener Kunst- und Auktionshaus Kärntnerstraße, dem "arisierten" Versteigerungshaus Kende, wurde die Porzellansammlung von Ferdinand Bloch-Bauer feilgeboten. Die Außerordentlichkeit dieser Auktion läßt sich schon daran erkennen, daß der Katalog Porzellan des Klassizismus - Sammlung B-B. Wien als Buch gebunden wurde. Zwei Museen nützten die Versteigerung für die Erweiterung ihrer Bestände: die Wiener Städtischen Sammlungen und das Kunstgewerbemuseum. So konnte der Leiter der Instituts für Denkmalpflege, Herbert Seiberl, im Februar 1943 einen Erfolg festhalten: "Die Sammlung Bloch-Bauer wurde vom Finanzamt zur Gänze liquidiert." Lesen Sie morgen den 8. Teil: Die Gier der Österreichischen Galerie Recherche: Gabriele Anderl/ Ruth Pleyer/Hubertus Czernin |
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