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Zurück zur Suche Standard-Serie: Der Fall Bloch-Bauer, Teil 3 Palais, Porzellan und anderer Luxus Die gesellschaftlichen Verhältnisse im Wien der Jahrhundertwende waren zumindest in den höheren Etagen einfach - und doch wieder kompliziert. Da gab es den Hof der Habsburger mit dem alten Reichsadel, die sogenannte erste
Gesellschaft. Dann, von diesem getrennt, den franzisko-josephinischen Adel, Industrielle, Beamte, Bankiers auch hohe Militärs. Sie stellten die zweite Die meisten von ihnen hatten sich längst assimiliert, waren zum katholischen oder auch protestantischen Glauben übergetreten. Die Rede ist von den Wittgensteins, Thorschs, Lederers, allesamt kunstsinnige Familien, die meisten der Moderne aufgeschlossen. Nur die Rothschilds bewegten sich jenseits dieser Hierarchie: Sie hatten direkten Zutritt zur Hofgesellschaft, wohl aufgrund ihrer besonderen Beziehungen zum Kaiserhaus. Ferdinand und Adele Bloch-Bauer, konfessionslos geworden, gehörten zur zweiten Gesellschaft, aber doch nicht ganz. Sie verfügten, anders als die Töchter des Bankiers Moriz Bauer, über keine Wiener Wurzeln. Sie waren Prager Juden, und Ferdinand Bloch-Bauer blieb es auch. Und noch etwas trennte die Familie von anderen Häusern dieser zweiten Gesellschaft des Fin de Siècle: Sie sympathisierte offen mit der Sozialdemokratie. Deshalb der enge Kontakt zu Karl Renner und Julius Tandler. Und deshalb auch 1938 der Versuch des Kapitalisten Bloch-Bauer, die Wiener Arbeiterschaft gegen die Nationalsozialisten zu mobilisieren. Aber davon später. Unvorstellbar Der Luxus im Palais in der Elisabethstraße war "unvorstellbar", erinnert sich Maria Altmann: "Man ging an der Portiersloge vorbei in einen Hof, in dem oft die beiden Hunde spielten. Eine schöne Stiege führte in den ersten Stock. Dort war eine Halle, von der man in die Zimmer kam. Links war das frühere Schlafzimmer von Adele. Rechts der Salon und dann das große, lange Speisezimmer, ein kleiner Saal mit herrlichen antiken Möbeln. An den Wänden standen Vitrinen mit der Porzellansammlung." Ein Inventar aus dem Jahr 1932 gibt Aufschluß über die Meisterwerke: Im Stiegenhaus hing neben "diversen Stichen", wie es heißt, eine Verdure, ein mittelalterlicher Wandteppich. Zwei Plastiken von George Minne waren aufgestellt. Im Wintergarten hingen Ridinger-Stiche und Gemälde von Franz Xaver Pausinger. In der Diele waren zwei Aquarelle von Rudolf von Alt zu sehen, ein Ölbild des Flamen Jan Fyt und ein Gemälde Friedrich Gauermanns. Nahezu alles, was in der österreichischen Malerei des 19. Jahrhunderts Rang und Namen hatte, war im Palais in der Elisabethstraße vertreten: Neben Rudolf von Alt Johann Michael Neder, Eugen Jettel, Peter Fendi, Ferdinand Georg Waldmüller, August von Pettenkofen, Emil Jakob Schindler, Friedrich von Amerling, Josef Danhauser und Johann Matthias Ranftl. Unvollendet Diese Werke, darunter neun Gemälde Waldmüllers, hatte Bloch-Bauer auf zwei Räume konzentriert. Im Herrenzimmer stand eine Bronze von Auguste Rodin und die Arbeit Der Lotse des Belgiers Constantin Emile Meunier. Im Salon hingen noch Gemälde von Meindert Hobbema und Bartholomäus d. Ä. Bruyn. Und dann waren da noch die Klimts: die beiden Porträts von Adele (1907 und 1912 fertiggestellt) und die vier Landschaftsbilder, die im Schlafzimmer der Dame des Hauses zu sehen waren. 1932 kam noch ein weiteres Gemälde Klimts hinzu:das unvollendet gebliebene Porträt von Amalie Zuckerkandl, einer engen Freundin der Bloch-Bauers, von der der Industrielle das Gemälde gekauft hatte. Emotionales Herzstück der Kunstsammlung in der Elisabethstraße war aber das Alt-Wiener Porzellan, das in Vitrinen im Salon und im Speisezimmer ausgestellt war. Die Sammlung umfaßte 229 Nummern. Anfang der 20er Jahre wurde sie von Richard Ernst, dem damals führenden Experten des Kunstgewerbemuseums, katalogisiert. Jedes einzelne Stück ließ er abbilden. 1925 veröffentlichte er schließlich mit Hilfe des Ateliers von Joseph Hoffmann ein Buch über die einzigartige Kollektion: Wiener Porzellan des Klassizismus. Die Sammlung Bloch-Bauer. Lesen Sie morgen den 4. Teil: Gustav und Adele Recherche: Gabriele Anderl/ Ruth Pleyer/H. Czernin |
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