Artikel 17.3.1999
 - Teil 9

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Teil 9 der Serie "Der Fall Bloch-Bauer"

Schaden und Spott

Standard-Autor Hubertus Czernin über Ferdinand und Adele Bloch-Bauer, deren Nichte Maria Altmann Anspruch auf jene fünf Hauptwerke Gustav Klimts aus der familieneigenen Sammlung erhebt, die seit einem halben Jahrhundert in der Österreichischen Galerie zu bewundern sind.

Ende der 40er Jahre waren die Post- und Kommunikationswege noch lang und mühsam. Briefe nach Nordamerika waren viele Tage unterwegs. Dort saßen Maria Altmann und ihr Bruder Robert Bentley. Maria baute sich gerade mit ihrem Mann Fritz eine neue Existenz in Los Angeles auf. Ihr Bruder, der sich nicht mehr Bloch-Bauer, sondern Bentley nannte, lebte in Vancouver, Kanada.

Louise Gutmann, die Haupterbin von Ferdinand Bloch-Bauer, wurde in diesen Jahren noch in Zagreb festgehalten. So kümmerte sich Robert Bentley um die Rückstellung des vom Onkel geerbten Vermögens. Da Kanada weit entfernt war, lag die Verantwortung bei seinem besten Wiener Freund: beim Anwalt Gustav Rinesch.

Dieser hatte die Interessen für drei Bereiche wahrzunehmen: die Rückstellung der Industriebeteiligungen, des Palais in der Elisabethstraße (seit damals im Eigentum der Österreichischen Bundesbahnen, die nun gemeinsam mit dem zuständigen Verkehrsminister Caspar Einem prüfen lassen, weshalb die Liegenschaft nie restituiert wurde) und der Kunstsammlung.

Da allein die Akten über die Verhandlungen zur Rückstellung der Kunstwerke mehrere hundert Seiten ausmachen, kann hier nur auf diese Frage eingegangen werden, und selbst das nur in einer äußerst verknappten Darstellung. So wie im Fall Rothschild begann ein jahrelanger Kampf um Gemälde und Porzellan, in den neben dem Bundesdenkmalamt drei Bundesmuseen - die Österreichische Galerie, die Albertina und das Kunstgewerbemuseum (MAK) - sowie das Historische Museum der Stadt Wien verwickelt waren.

Ebenso wie im Fall Rothschild wurden Kunstausfuhren gesperrt und die Familie zu Tauschgeschäften und Schenkungen gezwungen. Zum Schaden hatten die Erben auch noch den Spott: Rinesch mußte, wie der damalige Albertina-Direktor Otto Benesch (selbst Emigrant während der NS-Zeit) im November 1948 schrieb, der Graphischen Sammlung 16 Klimt-Zeichnungen widmen: "alle ziemlich gleichartige Kostümstudien", die Benesch eigenhändig ausgewählt hatte.

"Klimt-Zeichnungen stehen niedrig im Marktwert", ergänzte der Albertina-Chef, als hätte er die Bloch-Bauer-Erben von einer Last befreit.

"Großzügige Weise"

32 Jahre später, 1980, bewertete Alice Strobl, eine Mitarbeiterin der Albertina, diese "gleichartigen Kostümstudien", die in Wirklichkeit Entwürfe und Skizzen für das Gemälde Adele Bloch-Bauer I waren, so: "Von den ungefähr hundert ausfindig gemachten Blättern besitzt die Albertina die schönsten.

Sie wurden 1948 vom damaligen Direktor des Instituts, Univ. Prof. Dr. Otto Benesch, aus einem Konvolut ausgewählt, das ihm von der Familie Bloch-Bauer in großzügiger Weise vorgelegt worden war."

Ähnlich erging es Gustav Rinesch beim Versuch, jene Objekte aus der Porzellansammlung zurückzuerhalten, die das MAK bei der NS-Versteigerung erworben hatte. Der Anwalt wurde zu einem Rückstellungsvergleich genötigt,

Über den der siegreiche MAK-Direktor Richard Ernst am 11. Juli 1949 nur jubeln konnte: "Der Vergleich sichert dem Österr. Museum die bedeutendsten
Objekte der Porzellansammlung Bloch-Bauer, nämlich die gesamten Erwerbungen, die das Museum auf der Auktion Bloch-Bauer zur Sicherung des österreichischen Kunstbesitzes durchgeführt hat."

Einen Monat zuvor hatte Ernst noch Euphorischeres notiert: Die Bloch-Bauer-Objekte "stellen kunstgeschichtlich und kulturgeschichtlich sowie keramisch-technisch die höchste Auslese von Porzellan des Klassizismus dar, Meisterwerke der Miniaturmalerei auf Porzellan (...). Die hiefür im Tauschweg von der Kommission vorgesehenen Objekte (...) sind Doubletten von vielfach in den Museumsbeständen vorhandenen Typen, bei den vorhandenen Beständen kunstgeschichtlich und kulturgeschichtlich entbehrlich."

Die Museumsdirektoren und Kunstbeamten nützten alle Möglichkeiten aus, um sich an den Sammlungen der NS-Verfolgten und -Vertriebenen schadlos zu halten. Sie wußten, daß sie in der Position des Stärkeren waren: Sie hatten ja das Ausfuhrverbotsgesetz. Gedeckt von den verantwortlichen Politikern wie Felix Hurdes, brachen sie freilich das Gesetz. Dieses sah nämlich mit keiner Bestimmung vor, Ausfuhren dann zu gestatten, wenn die Eigentümer andere Kunstwerke der Republik überlassen würden.

Gustav Rinesch ging wie viele Rechtsanwälte in diese Falle. Genau genommen hatte er auch keine Chance, ihr zu entgehen. Um wenigstens die Gemälde der österreichischen Meister des 19. Jahrhunderts den Bloch-Bauer-Erben zu retten, opferte er daher als erstes die Gemälde Gustav Klimts.

Recherche: Gabriele Anderl/ Ruth Pleyer/H. Czernin

Lesen Sie morgen den 10. und letzten Teil: Der Triumph Garzarollis


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Ing. Leo Hoschka, Vienna

Last Release from: 04/02/07 02:10

Herausgeber / editor:
E. Randol Schoenberg  
Dr. Stefan Gulner