Artikel 12.3.1999 
- Teil 6

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Teil 6 der Standard-Serie "Der Fall Bloch-Bauer": Anschluß und Flucht

Verwirrende Kriminalgeschichte

Hubertus Czernin über Ferdinand und Adele Bloch-Bauer, deren Nichte Maria Altmann Anspruch auf jene fünf Hauptwerke Gustav Klimts erhebt, die sich in der Österreichischen Galerie befinden

Ferdinand Bloch-Bauer beließ nach Adeles Tod 1925 alles, wie es war. Nichts
durfte in ihren Gemächern in der Elisabethstraße verändert werden. An den Wänden hingen die sechs Klimt-Gemälde, neben der Chaiselongue stand auf einem Beistelltisch eine Fotografie des Meisters.

Neun Jahre lang blieb dort alles unberührt, ehe der Witwer die erste Veränderung im Gedenkzimmer vornahm. Bloch-Bauer, der Vorstandsmitglied des Vereins der Museumsfreunde war, stiftete 1934 der Österreichischen Galerie die Bronze Die Geschwister von Georg Ehrlich, die in Adeles Gemächern gestanden war. Zwei Jahre später, im November 1936, ließ er ein weiteres Kunstwerk entfernen und widmete dieses dem Museum im Belvedere: einen der sechs Klimts. Schloß Kammer am Attersee.

Die Direktion der Österreichischen Galerie dankte überschwenglich (und ohne
jeden Hinweis auf Adeles Testament): "Für die gütige Überlassung des Ölgemäldes von Gustav Klimt (...) als ,Widmung von Adele und Ferdinand Bloch-Bauer' bitte ich namens der Österreichischen Galerie meinen verbindlichsten und ergebensten Dank entgegennehmen zu wollen. Da ein Ölgemälde von Gustav Klimt mit einer Landschaftsdarstellung, das der Galerie
aus Privatbesitz als Leihgabe zur Verfügung gestellt worden war, vor mehreren Monaten wieder dem Besitzer zurückgestellt werden mußte, (...) ist die Widmung zur Vervollkommnung der Aufstellung des Klimt-Saals im gegenwärtigen Zeitpunkt ganz besonders willkommen."

Diese Widmung sollte unter Klimtexperten und Galerie-Direktoren bis in die Gegenwart immer wieder für Verwirrung sorgen. So heißt es im 1993 veröffentlichten und von Elisabeth Hülmbauer bearbeiteten Bestandskatalog der Österreichischen Galerie: "Schloß Kammer am Attersee III (Wasserschloß)
1949 Widmung von Familie Bloch-Bauer". Ein Jahr zuvor publizierte der Direktor der Galerie, Gerbert Frodl, ein Büchlein über das Klimt-Oeuvre in seinem Museum. Er gab als Erwerbsdatum seines Hauses an: "Schloß Kammer am Attersee (Wasserschloß) III erworben 1961 als Widmung Familie Bloch-Bauer".

Schließlich gibt es noch ein drittes Standardwerk, in dem Herkunft und Übernahmedatum von diesem 1910 fertiggestellten Gemälde Klimts angeführt sind. Bei Fritz Novotny und Johannes Dobai heißt es: "Widmung Familie Bloch-Bauer, bis 1961 Leihgabe an Gustav Ucicky". Dies ist nur ein Vorgeschmack auf jene Verwirrungen, die die Klimt-Gemälde aus der Sammlung Bloch-Bauer in der Österreichischen Galerie Jahrzehnte hindurch ausgelöst haben. Die meisten Daten und Fakten stimmen mit der historischen
Wirklichkeit nicht überein.

Das Durcheinander ist so groß, daß man eine gezielte Strategie dahinter vermuten müßte, wäre dieser Gedanke nicht so absurd. Ob bewußt oder nicht: Im Lauf der Jahre hat sich Nebel über diese sechs Erwerbungen aus dem Haus Bloch-Bauer gelegt. Und dieser läßt sich nur dann lichten, wenn man diesen Kriminalfall der Kunstgeschichte chronologisch aufrollt.

Mitte der 30er Jahre ließ sich Ferdinand Bloch-Bauer von Oskar Kokoschka malen. Das Gemälde wurde 1936 fertiggestellt und im Juni folgenden Jahres erstmals öffentlich gezeigt, in der Kokoschka-Ausstellung im Österreichischen Museum für Kunst und Industrie. Das Bild zeigt den damals 72jährigen bei einer seiner Leidenschaften, als Jäger mit einem Gewehr in Händen. Neun Monate nach der Ausstellung flieht Ferdinand Bloch-Bauer in die Tschechoslowakei, deren Staatsbürger er seit 1918 war.

In den letzten Tagen vor dem Einmarsch der Wehrmacht hatte er noch versucht
mitzuhelfen, die Unabhängigkeit Österreichs zu retten, wie sich Alma Mahler-Werfel später erinnerte: "Ich sah noch alle Freunde, den guten Ferdinand Bloch-Bauer auch, der ungeheure Geldsummen hergab und auftrieb, um die Arbeiterschaft zu mobilisieren. Alles war zu spät und Österreich zu arm als Konkurrent gegen Deutschland."

Recherche: Gabriele Anderl/ Ruth Pleyer/Hubertus Czernin

Lesen Sie morgen den 7. Teil: Beschlagnahme und Vertreibung


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Ing. Leo Hoschka, Vienna

Last Release from: 04/02/07 02:10

Herausgeber / editor:
E. Randol Schoenberg  
Dr. Stefan Gulner