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Kunstrestitutionsbeirat berät über Sammlungen Lederer, Bloch-Bauer Der von Ministerin Gehrer eingesetzte Beirat für Kunstrestitutionen berät heute, Donnerstag, über weitere Rückgabeanträge, darunter der Familien Lederer und möglicherweise Bloch-Bauer. Entscheidungen werden dabei noch keine erwartet. "Auf unserem Programm steht heute vor allem Lederer; Bloch-Bauer ist nicht ganz sicher. Auf jeden Fall werden keine Entscheidungen getroffen", erklärte Sektionschef Rudolf Wran auf Anfrage der "Presse" zu den heutigen Gesprächsthemen des Kunstrestitutionsbeirates. Mit Spannung erwartet wird vor allem eine Entscheidung über die Sammlung Bloch-Bauer. Hier geht es um sechs Klimt-Gemälde aus der Österreichischen Es handelt sich um Kernstücke der Schausammlung, mehrere hundert Millionen Schilling wert. Anspruch erhebt die in Los Angeles lebende gebürtige Wienerin Maria Altmann, Nichte von Adele Bloch-Bauer, Gattin des Zuckerindustriellen Ferdinand Bloch-Bauer. Nachdem bei einer Sitzung am 11. Februar die Rückgabe von 250 Kunstgütern aus den Sammlungen Alphonse und Louis Rothschild empfohlen worden war und die Rückgabe auch prompt erfolgte - die Gemälde aus dem Kunsthistorischen Museum sind bereits abtransportiert -, ist ein ähnlich rascher Beschluß bei den Klimts zu erwarten? Wran: "Ich kann da keinesfalls Prognosen abgeben." Erben der Familien Lederer und Bloch-Bauer haben Anwälte beauftragt, ihre Ansprüche zu vertreten. Bei den Ansprüchen der Lederer-Erben geht es vor allem um Gentile Bellinis "Kardinal Bessarion" aus dem Kunsthistorischen sowie um neun Blätter aus der Albertina. Bei den Bloch-Bauer-Erben geht es neben den Klimt-Gemälden um 16 Klimt-Zeichnungen aus der Albertina. Von seiten der Albertina war zunächst mehrfach betont worden, daß es keine zweifelhaften Erwerbungen gebe. Inzwischen liegt freilich ein ziemlich detaillierter Bericht vor. Zwischen 1938 und 1945 kamen ca. 2300 Handzeichnungen und 1250 Druckgraphiken ins Museum, zwischen 1946 und 1960 2700 Handzeichnungen und 2500 Druckgraphiken: "Aus diesem Bestand von rund 9000 Werken sind derzeit ca. 870 Blätter als definitiv oder möglicherweise im Zusammenhang mit Vermögensentziehungen durch das Naziregime oder mit fragwürdigen Restitutionsausgleichen bzw. Ausfuhrbewilligungsverfahren nach 1945 stehende Erwerbungen in einer Computerdatenbank festgehalten worden", heißt es wörtlich in dem Albertina-Bericht. "Definitiv bedenklich" seien 161 Blätter, "möglicherweise bedenklich" 204 Blätter. Bei den Kunstrestitutionen, die nach einem von Ministerin Gehrer initiierten Gesetz vorgenommen werden, handelt es sich vor allem um eine fragwürdige Vorgangsweise in der Nachkriegszeit: Noch viele Sitzungen Personen, deren von den Nazis beschlagnahmte Sammlungen nach dem Krieg retourniert wurden, durften diese nur dann ausführen, wenn sie den heimischen Museen Schenkungen machten. Dabei berief man sich auf das bis heute gültige Ausfuhrverbotsgesetz. So war es im Fall Rothschild, aber auch im Fall Bloch-Bauer. "Der Konnex der Überlassung der Klimt-Bilder an die Österreichische Galerie mit der Erteilung von Ausfuhrbewilligungen ist evident", so Ministerin Gehrer in einer Antwort auf parlamentarische Anfragen der Grünen zum Thema "Kunstraub in Österreich". Sprach das Ministerium zu Anfang der Kunstrestititutionsdebatte noch von rund dikussionswürdigen 100 Exponaten, so wird jetzt damit gerechnet, daß ungefähr 500 Exponate zur Debatte stehen. Und es werden, so ein Insider, "immer mehr". Wann die Rückgaben abgeschlossen sind, darüber will niemand Prognosen abgeben. Die bekanntesten Sammlungen, um die es geht, nennt eine Liste: Lanckoronski, Oskar Bondy, Rudolf und Marianne Gutmann, Emil Kominik, Alfred Menziles, Leon Ruzicka, Albert Pollak, Paul und Friedrich Zsolnay, Moritz Kuffner, Paul Cahn-Speyer.pet (c) Die Presse, Wien |
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