Artikel 29.6.1999 
Kronen Zeitung

Wiens "Wunschbild"

[ 1999-06-29,Sbg,KULTUR ]

Rothschild-Auktion; Klimt-Bilder bleiben da

Vor Monaten hat das Kunsthistorische Museum eine Reihe wertvoller Bilder an die Erbin der Sammlung Rothschild zurückgegeben. In einer international vielbeachteten "Jahrhundert-Auktion" werden Donnerstag, 8. Juli, diese Schätze bei Christies in London versteigert. Die Republik Österreich will sich an der Auktion beteiligen!

"Wir werden alles versuchen, daß wir etwas zurückkaufen können", erklärte die zuständige Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer und beantragte Sondermittel bei Finanzminister Edlinger.

Nach dem Rückgabe-Gesetz vom Nov. "98 gab Österreich über 200 Kunstwerke aus der Sammlung Rothschild an die rechtmäßige Erbin Betty Looram zurück. Bald tauchten die Schätze bei Christies in London auf. Es ist das Recht der Erbin, ihr Eigentum zu verkaufen. Wie es das Recht Österreichs ist, davon etwas zurückzuholen.

Besonders Dr. Schütz, Direktor der Gemäldesammlung des Kunsthistorischen, Univ.-Prof. Rosenauer und andere haben sich für eine Rückholaktion eingesetzt.

In erster Linie geht es um drei Bilder des Holländers Frans Hals, besonders um sein berühmtes Porträt des Kaufmanns "Tieleman Roosterman", 1634 (Bild oben). Schätzpreis: 50 bis 70 Mio. S. Nach einer "Krisensitzung" bei Ministerin Gehrer geht es jetzt darum, ob Finanzminister Edlinger bis 8. Juli eine Staats-Garantie für einen solchen Ankauf zustande bringt. Die Zeit drängt. "Klimts" bleiben in Wien!

Die berühmten Bilder von Gustav Klimt in der Österreichischen Galerie Belvedere (wie "Adele Bloch-Bauer", "Schloß Kammer" usw.) fallen nicht unter das Rückgabe-Gesetz und bleiben Staats- Eigentum. Die Rechtsgrundlage stammt nach dem Willen Adele Bloch-Bauers bereits aus dem Jahr 1925. Das stellte gestern der Beirat gemäß dem Rückgabe-Gesetz fest. 16 Zeichnungen und Porzellane werden an die Erben Bloch-Bauers zurückerstattet.

Erwin Melchart

© 1999-06-29 by "NEUE KRONEN ZEITUNG"


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Dr. Stefan Gulner