Artikel 29.6.1999 
Der Standard

Der Sieg der Patrioten

Nun hat Elisabeth Gehrer doch noch die Courage verlassen: Die Kulturministerin, vom Staat zur Restitution der in der NS- und Nachkriegszeit gestohlenen oder abgepreßten Kunstwerke ermächtigt, wird jene fünf Gemälde von Gustav Klimt, die dem Zuckerindustriellen Ferdinand Bloch-Bauer gehört haben, nicht zurückgeben. Sie hält sich an eine Empfehlung, die der von ihr eingesetzte Beirat am Montag fällte.

Die Entscheidung ist befürchtet worden. Denn noch immer dominiert falsch verstandener Patriotismus über das Rechtsbewußtsein. Sicher, der Familie Rothschild händigte man dieses Frühjahr all die Preziosen aus, deren Schenkung das Denkmalamt im Gegenzug für eine Ausfuhrgenehmigung der übrigen Sammlung erzwungen hatte. Doch ließ sich der "schwere Verlust", den Artur Rosenauer, Mitglied der Kommission, in der Kronen Zeitung beklagte, verschmerzen:

Die Kunstwerke, die in den wichtigsten Sammlungen des Bundes ausgestellt waren, zählen nicht wirklich zum österreichischen Kulturerbe. Die Bereitschaft, die Porträts von Frans Hals, die nun am 8. Juli versteigert werden, zurückzukaufen, hält sich daher in Grenzen.

Anders aber liegt der Fall Bloch-Bauer: Die fünf Gemälde von Gustav Klimt, vor allem die beiden Porträts der Adele, bilden das Herzstück der Österreichischen Galerie. Der Wert dürfte bei weit über zwei Milliarden Schilling liegen.

Und so bastelte man wider besseres Wissen - der STANDARD berichtete ausführlich darüber, daß Ferdinand Bloch-Bauer die Bitte seiner Frau, auf die man sich bezieht, bewußt nicht erfüllte - monatelang an einer beschämenden Begründung, warum man nicht zu restituieren brauche.

Mit 16 Klimt-Zeichnungen und 19 Porzellangegenständen, im Vergleich wertlos, speist man Maria Altmann, die 83jährige Erbin, ab. Es hat sich doch nichts geändert.


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Ing. Leo Hoschka, Vienna

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Herausgeber / editor:
E. Randol Schoenberg  
Dr. Stefan Gulner