Artikel 15.9.1999 
Kurier

Kurier 15.09.1999

Kampf um Klimt-Bilder vor Gericht

Die Erben des Zuckerindustriellen und Kunstsammlers Ferdinand Bloch-Bauer klagen die Republik Österreich auf Rückgabe von fünf Klimt-Bildern. Die Porträts "Adele Bloch-Bauer I" und "II" sowie die Landschaftsbilder "Buchenwald", "Der Apfelbaum" und "Häuser in Unterach am Attersee" kamen unter der Naziherrschaft in Besitz der Österreichischen Galerie, Bloch-Bauer wurde enteignet und starb 1945 im Schweizer Exil. Die Rückstellungskommission hatte im Juni einen Antrag der Erben auf Herausgabe abgelehnt. Begründung: In ihrem Testament bittet Adele Bloch-Bauer ihren Mann, die Werke der Österreichischen Galerie zu vererben. Die zuständige Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer begrüßt eine Klärung durch die Justiz.
Kampf um Klimt-Bilder geht weiter: Anwälte der Bloch-Bauer-Erben haben Klage gegen die Republik Österreich eingebracht Henriette Horny Die Erben nach Ferdinand Bloch-Bauer haben am Dienstag am Wiener Landesgericht für Zivilrechtssachen Klage gegen die Republik Österreich eingebracht. Das gaben ihre Anwälte bei einer Pressekonferenz bekannt. Sie klagen die Republik auf Herausgabe von fünf Bildern Gustav Klimts.

Nach Erlass des Restitutionsgesetzes im Dezember 1998 haben die Anwälte der Bloch-Bauer-Erben (E. Randol Schoenberg für die Kanzlei Fried, Frank, Harris, Shriver & Jacobson aus Los Angeles und Stefan Gulner, Wien) Antrag auf Rückstellung von fünf Klimt-Bildern aus der Österreichischen Galerie gestellt. Ende Juni dieses Jahres wurde ihr Antrag von der Rückstellungskommission abgelehnt. Die zuständige Ministerin Elisabeth Gehrer, beschied, dass die Bilder in der Österreichischen Galerie verbleiben.

Die Vorgeschichte: Adele und Ferdinand Bloch-Bauer erkannten die kreative Kraft Gustav Klimts und kauften seine Bilder. Adele starb 1925. In ihrem Testament hielt sie fest. "Meine 2 Porträts und die 4 Landschaften von Gustav Klimt, bitte ich meinen Ehegatten nach seinem Tode der österr. Staats-Galerie in Wien, . . . zu hinterlassen." (Heute geht es um fünf Klimt-Bilder, eines hat Ferdinand bereits 1926 dem Museum geschenkt.)

Dazu kam es nicht. Ferdinand Bloch-Bauer musste 1938 vor den
Nazionalsozialisten fliehen. Der Besitz des Industriellen wurde enteignet. Die Klimt-Bilder kamen in die Österreichische Galerie. Ferdinand
Bloch-Bauer starb 1945 im Exil in der Schweiz. Nach dem Krieg stellten
seine Erben Anträge auf Rückgabe. Unter anderem wurde ihnen ein Teil der Kunstsammlung zurückerstattet. Die Klimt-Bilder waren nicht dabei. Die unverbindliche Bitte, die Adele Bloch-Bauer in ihrem Testament formulierte, wurde von den Erben 1948 als verbindliche Verpflichtung  anerkannt. Eine Anerkennung unter Druck: Im Gegenzug bekamen sie die Ausfuhrgenehmigung für andere Besitztümer. Hier haken die Anwälte ein. Adele hat in ihrem Testament nicht verfügt, dass ihre Bilder ins Museum  kommen sollen, sie hat ihren Mann nur darum gebeten. Sie ging 1923  außerdem davon aus, dass ihr Mann weiterhin eine wichtige gesellschaftliche Stellung im Staat haben werde. Dass die Geschichte anders verlaufen werde, konnte sie nicht ahnen. Im Nachlass von Adele scheinen die Klimt-Bilder außerdem nicht auf. Ferdinand hat nachweislich  nichts dem Österreichischen Staat vermacht. Jetzt haben die Gerichte  darüber zu befinden, an wessen Wänden die Klimts in Zukunft hängen werden. Anwalt Stefan Gulner rechnet mit einer Prozessdauer von ein bis zwei Jahren.

 


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Herausgeber / editor:
E. Randol Schoenberg  
Dr. Stefan Gulner