Artikel 15.9.1999 
Die Presse

Klimt im Belvedere: Bloch-Bauer-Erben klagen auf Rückgabe

Einen Prozeß mit einem Streitwert von rund zwei Milliarden Schilling begannen die amerikanischen Erben nach einem Nazi-Opfer. Die Erben nach dem 1945 im Schweizer Exil verstorbenen Zucker-Industriellen Ferdinand Bloch-Bauer haben gestern, Dienstag, am Wiener Landesgericht für Zivilrechtssachen Klage gegen die Republik Österreich eingebracht. Das gaben der Wiener Anwalt Stefan Gulner und sein US-Kollege E. Randol Schoenberg bei einer Pressekonferenz in Wien bekannt. Am 28. Juni 1999 hatte die zur Klärung von Rückstellungsansprüchen eingesetzte Kommission festgestellt, daß die von Adele Bloch-Bauer (gestorben 1925) der Österreichischen Galerie vermachten fünf Klimt-Gemälde nicht unter die Gunst des 1998 einstimmig im Parlament beschlossenen jüngsten Kunst-Rückstellungsgesetzes fallen. Unter den beanspruchten Bildern (Schätzwert um die zwei Milliarden Schilling) befinden sich zwei "goldene" Adele-Bloch-Bauer-Porträts. Dieser Rechtsmeinung mußte sich die für die Bundesmuseen zuständige Ministerin Elisabeth Gehrer anschließen - "denn es gibt hier keinen Ermessensspielraum", sagte sie am Dienstag auf Anfrage der "Presse". Das neue Rückstellungsgesetz könne keine erbrechtlichen Fragen klären. Gehrer erinnerte, daß sie die von der Kommission vorgeschlagene Rückgabe von 16 Klimt-Zeichnungen und 19 Porzellangegenstände sofort angeordnet habe.

Die Anwälte rechnen mit einer Prozeßdauer von ein bis zwei Jahren. Die Klageschrift wollte Anwalt Dr. Gulner der "Presse" nicht zur Verfügung stellen. Auch die angekündigte Dokumentation im Internet (www.adele.at) war bei Redaktionsschluß noch nicht freigeschaltet. Bei der Pressekonferenz rekurrierte Gulner auf die Beachtung des Gleichheitsgrundsatzes, denn auch die Ansprüche der Rothschild-Familie seien berücksichtigt worden. Überdies bezweifelt die Erben-Gemeinschaft, daß die Bilder schon in dem Augenblick ins Staatseigentum kamen, als Adeles Mann Ferdinand 1926 die in ihrem Testament als "Bitte" formulierte Widmung für die Österreichische Galerie
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Ing. Leo Hoschka, Vienna

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Herausgeber / editor:
E. Randol Schoenberg  
Dr. Stefan Gulner