Artikel 11.11.1998 
Der Standard

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Der Kampf um Klimt

Bloch-Bauer-Erbin Maria Altmann hofft auf eine rasche Restitution

STANDARD-Autor Hubertus Czernin

Maria Altmann, die letzte noch lebende Nichte des 1945 im Schweizer Exil verstorbenen österreichischen Zuckerindustriellen Ferdinand Bloch-Bauer, hat Donnerstag vergangener Woche nun auch öffentlich Anspruch auf jene herausragenden Klimt-Gemälde in der Österreichischen Galerie erhoben, die sich diese während der NS-Zeit angeeignet hat. Die in Los Angeles beheimatete gebürtige Wienerin: "Mein Onkel starb als gebrochener Mann.

Die Nazis haben ihm seinen gesamten Besitz geraubt. Sein Wunsch war, daß mein Bruder, meine Schwester und ich alles erben, was nach dem Krieg wiedergefunden wird."

Ferdinand Bloch-Bauer, Mehrheitsaktionär einer der größten Zuckerfabriken Mitteleuropas, besaß mit seiner Frau Adele eine der wertvollsten privaten Kunstsammlungen im Wien der Zwischenkriegszeit, wie DER STANDARD bereits im vergangenen Frühjahr in seiner Serie Das veruntreute Erbe berichtet hat.

Kernstück war eine Alt-Wiener Porzellansammlung, die rund 400 Einzelstücke umfaßte. Zur Gemäldesammlung gehörten Werke von Rudolf von Alt, August Pettenkofen, Ferdinand Waldmüller und vor allem von Gustav Klimt. Die Bloch-Bauers waren Mäzene des Malers gewesen.

Maria Altmann: "Nach Adeles Tod 1925 richtete mein Onkel im Familienpalais
in der Wiener Elisabethstraße einen Erinnerungsraum ein mit sechs der sieben Klimt-Gemälde, die ihnen gehörten, einschließlich der zwei Porträts, die Klimt von meiner Tante gemalt hatte." Allein der Wert eines der beiden Bilder, des Porträts Adele Bloch-Bauer I von 1907, wird heute von Experten auf rund 350 Millionen Schilling geschätzt.

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Die Kunstsammlung Bloch-Bauer stieß auf besonderes Interesse der Nazis: Einige Bilder wurden den Privatsammlungen von Hitler und Hermann Goering einverleibt, andere in die Bestände deutscher Museen aufgenommen bzw. dem geplanten Führermuseum in Linz zugewiesen. Die Porzellansammlung wurde 1941 versteigert, der Erlös als Reichsfluchtsteuer abgeführt. Klimt-Gemälde landeten hingegen in der Österreichischen Galerie.

Bloch-Bauers Wiener NS-Anwalt Erich Führer hatte sie dem Museum übergeben resp. verkauft.

Frau Altmanns amerikanischer Anwalt Randol Schoenberg: Die Basis für diese Schenkung sei allerdings anders gewesen - 1923 hatte Adele Bloch-Bauer in ihrem Testament festgelegt, daß die Klimt-Bilder erst nach dem Tod ihres Mannes an die Österreichische Galerie gehen dürfen, unter der Voraussetzung, er stimme der Widmung zu. Genau das behauptete auch die Österreichische Galerie nach dem Kriegsende - und verweigerte die Herausgabe der Gemälde, die damals übrigens nicht unter das Ausfuhrverbotsgesetz gefallen wären.

Werke zeitgenössischer Künstler sind nämlich vom Gesetz ausgenommen.

Dennoch riet der seinerzeitige Rechtsvertreter der drei Erben von Ferdinand Bloch-Bauer, der Wiener Anwalt Gustav Rinesch, auf einen Rechtsstreit um die Klimt-Gemälde zu verzichten. Das, glaubte er, könnte die Ausfuhr der restlichen Kunstwerke erleichtern. Dies stellte sich bald als Trugschluß heraus. Das Denkmalamt forderte von den Bloch-Bauer-Erben weitere Kunstwerke als Widmungen, darunter kostbare Stücke aus der Porzellansammlung. Mit Erfolg. Zu schlechter Letzt verblieb den Erben nur ein Bruchteil der Kunstwerke, die sie in die USA und nach Kanada exportierten.

Für Österreich könnte dies nun teure Konsequenzen haben: Laut Randol Schoenberg dürfte der Wert der Kunstwerke und anderer nicht restituierter Vermögensanteile, einschließlich des Palais in der Elisabethstraße, die Grenze von einer Milliarde Schilling deutlich überschreiten. Maria Altmann: "Nach allem, was ihm zugefügt wurde, hätte mein Onkel Österreich nie etwas geschenkt. Ich bin deshalb überaus glücklich, daß die heutige österreichische Bundesregierung nun das Unrecht der Vergangenheit korrigieren will. Ich bin nur traurig, daß mein Bruder und meine Schwester das nicht mehr erleben können."

Dennoch schwingt aber bei Randol Schoenberg einige Skepsis mit, ob die Republik trotz des am 5. November beschlossenen Restitutionsgesetzes nun alle Vermögenswerte Maria Altmann zurückerstatten wird: "Die Bundesregierung hat weder auf unsere Nachfragen bisher reagiert, noch haben sich die mit den Untersuchungen beauftragten Historiker an die Familie um nähere Informationen gewandt." Sollte die Österreichische Galerie die Klimt-Bilder nicht freiwillig herausgeben, dürfte Maria Altmann jenen Weg beschreiten, den sie und ihre Geschwister nach Ende des Zweiten Weltkriegs noch nicht gewagt haben.


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Ing. Leo Hoschka, Vienna

Last Release from: 04/02/07 02:10

Herausgeber / editor:
E. Randol Schoenberg  
Dr. Stefan Gulner