|
|||||
|
Wien, am 2. April 1948 Zl.35 Betreff: Sammlung Bloch-Bauer An den Leiter des Bundesdenkmalamtes Herrn Dozenten Dr. Otto D e m u s Wien I., In der Burg, Marschallstiege Ich habe am 31. März d.J. mit Herrn Dr. Balke die aus der vormaligen Sammlung Präsident Ferdinand Bloch-Bauer stammenden und in der Wohnung des Herrn Karl Bloch-Bauer III. Modenapark 10/V. Tür 20, befindlichen Gemälde
besichtigt und dabei feststellen können, daß sich unter ihnen eine Reihe überaus wichtiger österreichischer Bilder der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts befindet. Auf nachfolgende Stücke darf ich besonders hinweisen. 1. Danhauser,Kind an der Wiege 2. Pettenkofen, Nach der Schlacht, Skizze zum Gemälde in der 3. Neder,Soldatenszene 4. Ranftl,Kind und Hund 5. Nigg,Blumenstück (auf Porzellan) 6. Fendi,Mutter mit Kindern vor der Madonna, Aquarell Für Nr.1 und Nr.2 bitte ich wegen der Wichtigkeit der Gemälde die Ausfuhrbewilligung nicht zu erteilen. Ich mache den Vorschlag Nr.1 bei erschwinglicher Preislage von der Österreichischen Galerie anzukaufen. Nr. 2,3 und 5 gegen vertauschbare gleichwertige Objekte aus den Beständen der Österreichischen Galerie einzutauschen und auf Nr.6 die Albertina aufmerksam zu machen. Ausserdem befindet sich in derselben Kollektion noch das Gemälde von Klimt "Seeufer mit Häusern in Kammer", das infolge eines durch Herrn Präsidenten Ferdinand Bloch-Bauer anerkannten Legates der am 25.Jänner 1925 verstorbenen Frau Adele Bloch-Bauer der Österreichischen Galerie zusteht, aber von Rechtsanwalt Dr. Erich Führer derselben vorenthalten und offensichtlich veruntreut wurde. In dieser Angelegenheit läuft bereits ein Rückstellungsbegehren durch die Finanzprokutatur als Vertreterin der Interessen des Bundesministeriums für Unterricht. Ich bitte die Erwerbungs- und Tauschvorhaben erst dann laut werden zu lassen, wenn der Finanzprokurator der Zeitpunkt hiefuer als gegeben bezeichnet werden wird, wovon augenblicklich Nachricht gegeben wird, d.h. also, daß aus taktischen Gründen um eine verzögernde Behandlung gebeten wird. Der Direktor der Österreichischen Galerie: Garzarolli (Unterschrift)
|
|||||
|
|
||||||||||||||||