Schreiben vom 21.11.1945:
Dr. Gustav Rinesch
an die Österreichische Galerie Oberes Belvedere

Rechtsanwalt

Dr. Gustav Rinesch

Fernruf R 29-5-80 SerieWien, 21. November 1945.

Postsparkasse-Konto: 111.770I., Wollzeile 11

Konto Länderbank Wien A.G. Nr. 81.056

Sprechstunden 4 – 6 Uhr

 

Zeichen: A/E Betrifft: Sammlung Ferdinand Bloch-Bauer.

 

An die

 

Österreichische Galerie Oberes Belvedere

zu Handen Herrn Dr. Fr. B a l k e ,

 

W i e n , III.

Prinz Eugenstr. 27

 

Sehr geehrter Herr Doktor!

 

Unter Bezugnahme auf meine Vorsprache übermittle ich Ihnen anschliessend eine Aufstellung der Bilder aus der Sammlung Bloch-Bauer, welche sich vermutlich in Deutschland befindet. Ich bitte Sie auch um Ihre Unterstützung bei Rückgewinnung dieser Bilder für Oesterreich. Ich nehme an, dass es nicht schwer sein wird, die einzelnen Stücke, die ja sehr wertvoll sind, in den Sammlungen Hitlers, Göring ect. aufzufinden und für Wien sicherzustellen.

 

Die im Jahre 1940 zur Versteigerung gelangte berühmte Sammlung Bloch-Bauer “Altwiener Porzellan des Klassizismus” befindet sich zu einem Teil im Besitz des Historischen Museums der Stadt Wien, zu einem anderen Teil in Händen von privaten Sammlern und ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie auch hier Ihre Bemühungen zur Rückgewinnung aufwenden wollten. Besonders bitte ich Sie an das Museum der Stadt Wien mit der Anfrage heranzutreten, ob man dort geneigt ist, die Stücke gegen Ersatzz der aufgewendeten Preise zurückzu stellen.

 

Rechtsanwalt

Dr. Gustav RineschWien, 21. November 1945

Fernruf R 29-5-80 Serie

Postsparkassen-Konto 111.770

Konto Länderbank Wien A.G. Nr. 81.056Stempel:

Sprechstunden 4 – 6 UhrSTAATSDENKMALAMT

                  Eingel. am 25.XI.1945  Z 282 K 45

mit 1 Beilagen

 

Zeichen: A/E Betrifft: Repatriierung österr.

Kunstbesitzes.

Sammlung Ferdinand Bloch-Bauer.

An das

Staatsamt für Volksaufklärung und Unterricht

Bergungsreferat, zu Handen Herrn Dr. B E R G ,

W i e n , I.

Reitschulg. 2

 

Mein Mandant, Präsident Ferdinand Bloch-Bauer, derzeit Zürich, Schweiz, besass eine wertvolle Kunstsammlung, die in seiner Wohnung in Wien, I., Elisabethstraße 18 untergebracht worden war. In den Jahren 1938/39 wurden die Hauptstücke dieser Sammlung verkauft. Der Erlös wurde durch die damaligen Bevollmächtigten meine Mandanten zur Abdeckung von Steuerschulden verwendet.

Es handelt sich um eine Reihe von Bildern Wiener und österreichischen Meistern laut Anlage. Sie entnehmen der Anlage auch, dass sich diese Bilder im Allgemeinen bei ehemaligen nationalsozialistischen Funktionären befanden. Es wird vielleicht möglich sein, in den bereits sichergestellten Sammlungen dieser Herren die einzelnen Stücke festzustellen und ich bitte die Hilfe der amerikanischen Besatzungsbehhörden hiezu in Anspruch zu nehmen. Der Liste entnehmen Sie auch die Verkaufsdaten und Verkaufspreise.

Die Rückgewinnung dieser wertvollen Bilder ist für den österreichischen Kunstbesitz zweifellos von grosser Wichtigkeit und ich bitte Sie um Ihre Unterstützung.

Mit vorzüglicher Hochachtung

1 Beilage (ohne)gez.Unterschrift

 

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