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Wien, 11. April 1948 Lieber Robert ! Mein Schiurlaub in Ober-Gurgel war herrlisch, schönstes Wetter, wunderbare Unterkunft und auch verpflegungsmässig tadellos. Man muss nicht mehr in die Schweiz fahren, es kostet hier auch genug. Jetzt bin ich wieder eine Woche da und ebenso gebräunt wie ausgeruht. Ich finde Deine lieben Briefe vom 15., 18., und 27. März vor, für die ich danke. Da jetzt die Verpackung von Carls Wohnungseinrichtung vor sich geht, hat diese Woche auch die Beschau durch das Denkmalamt dort stattgefunden. Wie ich vorausgesagt habe, ist den Beamten sofort aufgefallen, dass sich unter den Bildern solche aus der Sammlung B.B. befinden. Ich wurde darauf von Dr. Demus angerufen und war mit George bei ihm. Demus erklaerte, dass er und die österr. Galerie grössten Wert auf diese Bilder legt und daß eine Einigung über die wenigen sofort zur Ausfuhr verlangten Bilder schwer moeglich ist. -- Ich bin der Meinung, daß man alle zustandegebrachten Bilder (einschliesslich der in München befindlichen) gemeinsam zur Ausfuhr beantragen sollte, dann würde man viel besser wegkommen. Demus pflichtet dem bei. Bei dieser Gelegenheit kam auch die Angelegenheit der Klimt-Bilder und des Legats Adele B.B. zur Sprache. Ich bin der Meinung, daß man das Denkmalamt und das Museum durch eine Ordnung dieser Sache geneigt stimmen koennte und habe mir daher gestern im Bezirksgericht den Verlassenschaftsakt ausgehoben. Laut Testament vom 19.1.23 hat Deine Tante ihre 2 Porträts und 4 Landschaften von Klimt der österr. Galerie in folgender Form vermacht: "Meine 2 Porträts und die 4 Landschaften von Gustav Klimt bitte ich meinen Ehegatten nach seinem Tode der österr.Staatsgalerie in Wien . . . zu hinterlassen." Dies ist zwar nicht die Form eines Legats, jedoch findet sich im Akt eine Erklärung des Onkels, laut welcher er die Bitte seiner Frau zu erfüllen verspricht. Dadurch hat die oesterr.Galerie zweifellos einen Rechtsanspruch, wie auf ein Legat, erworben und das Testament wird zur Erfüllung gelangen müssen. Du bist ja ohnedies, (Dein Schreiben vom 8.3.) einverstanden, dass es geschieht. Ich habe daher gestern auch Dir. Garzirolli der österr. Galerie aufgesucht, welcher übrigens auch bereits die Bilder in der Wohnung Carls besichtigt hat und über das Testament Eurer Tante Bescheid weiss, ebenso über die Erklärung Onkels. Ich habe ihm eine Erklärung abgegeben, daß die Erben Ferdinand B.B.s dessen Willen erfüllen werden, was dankbar zur Kenntnis genommen wurde. Demgemäss muss auch das in der Wohnung Carls befindliche Klimt-Bild (Häuser am Attersee), welches ohnedies nicht zur Ausfuhr beantragt war, dem Museum uebergeben werden. Wegen der Rückstellung des im Besitz der Gemeinde Wien, städt. Sammlungen, befindlichen Bildes (Birkenwald) sowie des Bildes, welches Ucicky von Dr. Führer gekauft hat, an das Museum wird sich vereinbarungsgemäss jetzt dieses selbst herumraufen müssen. - Die 6 Bilder werden dann mit Widmungstafeln versehen zusammen in der Galerie aufgehängt werden. Hiedurch ist das Museum bereits günstig gestimmt und ich habe gleich die Ausfuhr der übrigen Bilder zur Sprache gebracht. Ohne definitive Zusagen zu haben, vereinbarte ich, dass ich eine Liste sämtlicher Bilder, die wir bereits festgestelt haben gleich zur Ausfuhr eingereicht wird und daß die Ausfuhr suksessive nach Rücktransport stattfinden kann. Ich werde das sofort machen und vielleicht kann einiges doch noch mit dem Transport der Möbel Carls mitgehen. |
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